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Fledermaus-Aktivität am Angerlloch

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Bernadette Wimmer


Einsatz von Lichtschranken und Fotofallen zur Untersuchung der Fledermaus-Aktivität am Angerlloch

von Bernadette Wimmer

Seit 1983 finden im Angerlloch jährliche Winterquartierkontrollen durch die Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern statt. In den letzten Jahren zeigten einige Untersuchungen, dass bei den Sichtkontrollen nur ein Teil des Bestandes an überwinternden Fledermäusen erfaßt wird und die Ergebnisse insbes. in unübersichtlichen und spaltenreichen Quartieren vom Zeitpunkt der Kontrolle und den Witterungsbedingungen abhängen. Eine alternative Methode stellen automatische Lichtschrankensysteme dar: Die Lichtschranke besteht aus zwei Infrarot-Strahlenvorhängen. Beim Durchflug einer Fledermaus wird die Unterbrechungsreihenfolge in einem Datenlogger registriert und eine Fotofalle ausgelöst. So kann die Flugrichtung und die Fledermausart bestimmt und über die Differenz der ein- und ausfliegenden Tiere die Individuenzahl ermittelt werden.

Diese Technik kam im Rahmen eines Projektes der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen des Landesbundes für Vogelschutz in Zusammenarbeit mit Karl Kugelschafter vom 25.10.2010 - 02.05.2011 am Angerlloch zum Einsatz. Zusätzlich zeichneten von Juli 2010 bis Juni 2011 automatische Aufnahmegeräte die Rufaktivität der Fledermäuse auf. Es handelt sich um das erste Projekt dieser Art in den bayerischen Alpen. Die Kombination von Fotofallen und automatischen Lautaufzeichnungsgeräten wurde erstmals getestet. Zum Vergleich wurde auch eine reguläre Winterquartierkontrolle im Februar durchgeführt.

Eine Störung der Fledermäuse durch die Fotofalle konnte nicht beobachtet werden (Fotos beschränken sich auf aktive Tiere, die Blitzdauer beträgt nur 1/1500stel Sekunde, keine "Blitzlichtgewitter" bei rel. individuenarmen Quartieren). Ausfälle der Technik durch die harten Bedingungen an der Höhle (Feuchtigkeit, Eiszapfenbildung, Mäusefraß, Stromausfälle) führten dazu, dass der Gesamtbestand an überwinternden Tieren nicht ermittelt werden konnte. Jedoch ermöglichte die Fotofalle vertiefte Einblicke in das Überwinterungsverhalten der verschiedenen Arten. Mit der Kleinen Hufeisennase und der Wimperfledermaus konnten zwei sehr seltene Arten nach längerer Zeit wieder im Angerlloch nachgewiesen werden. Insgesamt erbrachte die Fotofalle Nachweise von acht Fledermausarten, während bei der Sichtkontrolle im gleichen Jahr nur vier Arten festgestellt wurden.

Übersicht über die überwinternden Arten und ermittelten Individuenzahlen:

Fledermausart
Winterquartier
Kontrollen 2011
Winterquartier
Kontrollen 1983 - 2010
Lichtschranke und Fotofalle
Winterhalbjahr 10/11
Mopsfledermaus
10
2-24
mind. 26
Großes Mausohr
2
0-6
mind. 10
Große / Kleine
Bartfledermaus
8
0-3
Bestandsermittlung nicht gelungen
Wasserfledermaus
1
0-4
Bestandsermittlung nicht gelungen
Fransenfledermaus
0
0-3
ca. 1-2
Wimperfledermaus
0
1 Ind. 1991
ca. 1-2
Braunes Langohr
0
0 -2
ca. 3
Kleine Hufeisennase
0
1 Ind. 2010
1 Ind. 1983 u. 1984
(Issel 1952: ca. 200)
ca. 3-4
Gesamtzahl
21
0-2
?


Der Einflug der Mopsfledermäuse erfolgte später als bei den anderen Arten in der Zeit von 12.11. bis 06.12.. Die Untersuchung zeigte eine erstaunliche Winteraktivität der Kleinen Hufeisennase und der Mopsfledermaus vom 01.12. bis 28.02. – obwohl in dieser Zeit häufig eine geschlossene Schneedecke lag. Wesentlich seltener waren Wasser- und Bartfledermäuse im Winter aktiv, einmal eine Wimperfledermaus. Braune Langohren,
Fransenfledermäuse und Mausohren wurden in dieser Zeit nicht an der Lichtschranke registriert.

Die Kleinen Hufeisennasen können zwar schon bei leichten Minusgraden aktiv sein, erst ab einer Außentemperatur von 4°C finden jedoch verstär kt Ein- und Ausflüge statt. Im gleichen Temperaturbereich kann auch die Mopsfledermaus im Winter ausfliegen, eine erhöhte Aktivität in besonders warmen Nächten konnte bei dieser Art aber nicht festgestellt werden. Warum diese Arten ihren Winterschlaf so häufig unterbrechen, ist noch nicht erforscht. Evtl. können sie die wenigen im Winter verfügbaren Insekten als Nahrungsquelle nutzen (z. B. Frostspanner). Am 21.02.2011 zeigte ein erstes Fledermaus-Kotpellet im Eingangsbereich den zunehmenden Jagderfolg an.

Einsatz von Lichtschranken

Die Gesamtzahl der im Angerlloch überwinternden Tiere wird auf ca. 100 Individuen geschätzt. Das Angerlloch ist weiterhin das individuenreichste Winterquartier der Mopsfledermaus in den bayerischen Alpen, das wir bislang kennen. Zusammen mit dem Vorkommen einer weiteren bayernweit stark gefährdeten Art (Wimperfledermaus) und einer vom Aussterben bedrohten Art, der Kleinen Hufeisennase, wurde die Bedeutung des Angerlloches als schützenswertes Winterquartier für Fledermäuse bestätigt. Die seit 1989 bestehende Sperrung vom 01.10. – 30.04. hat sich inzwischen bewährt.

Mehr Ergebnisse des Projekts auf der Homepage der LBV-Kreisgruppe GAP:  Das Projekt wurde durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht. Vielen herzlichen Dank an alle Helfer und Unterstützer! Vielen Dank auch an alle Höhlenbesucher im Sommer 2011, die Verständnis für die im Höhleneingang nicht sehr ästhetischen technischen Installationen hatten, so dass nichts zu Schaden gekommen ist!

 

Anschrift des Autors:

Bernadette Wimmer
LBV-Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen
AK Fledermausschutz
Bernadette [PUNKT] wimmer [AT] lra-gap [PUNKT] de

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Last modified: 13 September 2017.

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