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Hochwässer an der Ardeche

  • Veröffentlicht: Montag, 01. Februar 2016 19:38
  • Geschrieben von Jürgen Becker

Beobachtungen bei Hochwasser im Bereich des Reseau-Cocaliere/Claysse

Baume bei Hochwasser

Seit vielen Jahren fahre ich regelmäßig zum Urlaub an die Ardeche. Früher vorzugsweis zum höhlenforschen und kajakfahren, heute mehr zum wandern und mountainbiken, gelegentlich auch noch kleine Höhlenführungen mit Interessierten. Mich beeindrucken zunehmend die immer häufiger auftretenden Hochwässer. Einmal habe ich es geschafft nach einem heftigen Hochwasser ein paar Höhleneingänge im Reseau Cocaliere und dem System Sauvas-Peyrejal, bei St.-Paul-de-Jeune anzuschauen. Weil man bei HW-Höchstständen kaum noch in der Gegend rumfährt sind meine Eindrücke etwas später entstanden, aber immer noch beachtlich.  Auf der WEB-Seite von meteofrance.com gibt es eine Seite mit Hochwasserwarnungen "Vigicrues". Da findet man mit etwas Geduld auch historische Höchststände von Pegeln.

Das ganze Wasser aus dem 1958 km² großen Einzugsbereich der unteren Ardeche muß durch die berühmte Schlucht. Die meisten Höhlen haben dann auch extremes Hochwasser.

An der Straßenbrücke in Vallon-Pont-d’Arc, ca. 1km vor der Schlucht hat es 1890 einen Höchststand von 17,30 m gegeben. Meine Fantasie reicht nicht um mir das vorzustellen. Wie mag es da in da in den Höhlen zugegangen sein? Ich erlebe das immer auf einem Campingplatz an der Baume, einem Nebenfluss der Ardeche. Da bekomme ich hautnahe die Gewalt der Wässer mit. In den letzten Jahren im Herbst immer öfter. Der Campingplatz liegt knapp 1,5 km südlich von Rosieres (Pegel) am Beginn einer Karstschlucht. Höhlen gibt’s eine Reihe dort, aber kleiner und nicht bequem begehbar. Die Grotte/Source de Remene‘ bringt reichlich Wasser und die Source de Boissin gegenüber des Platzes schüttet dann auch aus unschliefbaren Spalten weit oberhalb des normalen Quellniveaus. Normalerweis ist die Baume ein kleiner Fluss mit 10-40cm Wassertiefe und 2-4m Breite und 0,5 bis 2m³ pro Sekunde, kaum mit dem Kajak befahrbar.  Ich habe sie mehrfach im Herbst mit 5-7m Wasserstand und bis zu 50m Breite erlebt. Der Pegel in Rosiere muss dabei so um die 2 bis 2,5m haben. Im September 1992 hat es ein Hochwasser mit 6,6m gegeben. Da sind dann im Talboden viele Wohnwagen die nicht evakuiert waren weggeschwommen und an der Brücke in Labaume hängen geblieben. Das Militär musste die Barriere wegsprengen.

Heute wird rechtzeitig gewarnt und evakuiert. Man will das Desaster nicht nochmal haben. Ich schreibe dies damit „Normaltouristen“ die Hochwasserverhältnisse der Region besser verständlich werden. Man sieht im Sommer nur Flüsse mit sehr niedrigem Wasserstand.

Am Südrand des Departements Ardeche an der Grenze zu Gard, gibt es ein flaches Randplateau des Ardeche-Karst dessen Hauptgewässer „Claysse“ nicht zur Ardeche, sondern zur Cèse entwässert. Die bekannteste Höhle ist hier die Schauhöhle Grotte de la Cocaliere, gerade eben jenseits der Departementgrenze auf Gardgebiet. Über dieses Karstgebiet hat Bruno Klingenfuss eine bemerkenswerte Dokumentation erstellt, die 1975 in der Höhlenpost Nr. 37 der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung unter dem Titel: „Guide Speleo, Reseau Cocaliere“ erschienen ist. Ich besuche die Höhlen des Gebietes mit unterschiedlichem Charakter sehr gerne, weil sie relativ leicht zu erreichen, mit etwas sportlicher Ambition zu begehen sind und vor allem auch für Höhlenneulinge (Kinder und Erwachsen) eine gute Einführungen in die komplexe Materie sind.

Vorweg ist zu erwähnen, dass die in diesem Artikel beschriebenen Höhlen unterschiedliche Namen haben.
Entweder sind die lokalen Ursprunges (Dialekt) oder es sind noch alte occitanische Bezeichnungen. So wird für  "Resurgence" auch "Event" verwendet, die "Cotepatiere" auch "Courpatiere" und der "Aven Cocalhere" auch "Event Courcalhere" genannt usw. Die Namensvergaben sind verwirrend.

Aus höhlentouristischer Sicht sind die Grotte Cocaliere (Schauhöhle), die Grotte Cocalhere (das ist die nicht erschlossene Verlängerung der Cocaliere) und die Cotepatiere (die Verlängerung der Cocalhere) als zusammenhängendes Höhlensystem interessant. Cocalhere und Cotepatiere sind über den Aven Cocalhere zu erreichen. Das ist ein großer beeindruckender Einbruchsschacht den man im unteren Bereich nur gesichert abklettern kann. Hier braucht man ein Seil. Bei Feuchtigkeit ist es glatt. Einfacher kann man das System vom Event Cotepatiere erreichen. Vom Bachlauf kann man über Eisensprossen in die Höhle gelangen, diese durchqueren und gelangt durch den Aven in die Cocalhere. Spannender ist natürlich der Abstieg am Seil. Folgt man dem vom Bachlauf vom Event de Cotepatiere (Courpatiere) abwärt so kommt nach ca. 450 m von links ein Trockental (sofern kein Hochwasser ist). Biegt man dort hinein so erreicht man nach wenigen Metern einen Kessel mit senkrechten Wänden unter dem ein Höhlenportal sichtbar wird.

Das ist die Resurgence bzw. Event de Peyrejal.  Hier tritt bei Hochwasser die Claysse, wieder zu Tage, die im Goule de Sauvas verschwunden war.  Die Höhle ist deutlich erkennbar eine aktive Wasserhöhle mit schönen Fließfacetten. Die Begehung ist unschwierig, in flachen Bereichen kann man aber in Tümpel patschen, Gummistiefel sind angeraten. Nach etwa 100m ist ein tiefer wassergefüllter 2-3m breiter Graben (Spalt) zu überwinden (Schraubanker sind an der Wand). 60m weiter erreicht man einen See der durchschwommen werden muss. Kurz danach kommt der 1. Syphon.

Der Siphon kann durch einen künstlich angelegten Schacht umgangen werden.
Der Schacht liegt schwer auffindbar im Gelände unter einem Kanaldeckel. Im oberen Teil eng, mündet er in einem natürlichen Schlot und nach 38m Tiefe in den Hauptgang der Höhle. Man muss abseilen und braucht Schachtausrüstung. Der Deckel kann verschlossen sein. Ich kann den Zustieg nicht mehr genau beschreiben, meine Befahrung liegt über 20 Jahre zurück. Die Höhle dahinter ist zwar sehr schön, aber anspruchsvoll, nicht für Anfänger geeignet. Bei Hochwasser ist das System vollständig geflutet.
Folgt man dem Bachlauf von der Cotepatiere weitere 300m abwärts, dann liegt im Grunde des trockenen Bachbettes in einer Rechtskurve am linken Rand die Resurgence Peyrol. Am Grunde des Trichters ist ein See und nach wenigen 10 Metern nach rechts und links erreicht man Siphone. Die Höhle ist nichts für Touristen. Sie bildet das Entwässerungssystem des Gebietes nördlich der Landstraße (D901) genauere Daten liegen mit Sicherheit vor, sind mir aber nicht bekannt. Das Gebiet ist vom Dorf Chadouillet leicht zu erreichen. An der Brücke über die (trockene) Claysse sollte man das Auto stehen lassen. Für eine Wanderung durch das Gebiet und die Höhlen sollte man einen ganzen Tag einplanen. Man kann natürlich auch einen Kurztrip planen. Die Claysse kommt als meist trockener Bach aus der Gegend von St.-Paul-le-Jeune und verschwindet nach einem tiefen Graben unvermittelt direkt neben der Straße (D901) im „Goule de Sauvas“ unter die Erde. Der Goule ist über eine Strecke von ca. 140m mit Gummistiefel leicht zu erkunden. Dann kommt ein großer Strudeltopf bei dem man eine Seilsicherung (Handlauf) braucht. Die vorhandenen Seile sind unsicher. Geübte können die Höhle bis zum ersten Syphon (ca. 380m Ganglänge) erkunden, wo dann die die Befahrung zu Ende ist. 

Inzwischen sind eine Reihe von Syphonen durchtaucht worden und die Verbindung „Event de Peyrejal“ ist nachgewiesen.

Wie eindrucksvoll die Hochwässer sein können kann man von Fotos einer Stelle an der Baume sehen, einmal bei Niedrigwasser und einmal bei Hochwasser. Das Hochwasserfoto zeigt die Baume mit ca 220m³ pro Sekunde am Pegel Rosiere. Ich hab sie auch schon mit mehr erlebt. Dann bleibt aber keine Zeit mehr zum fotografieren, dann wird der Campingplatz evakuiert. Auf zwei weiteren Fotos der Claysse, einem der beiden Hauptvorfluter des "Reseau-de-Cocaliere", kann man am Schwemmgut am Hochufer den Höchstwasserstand erkennen. Bei dem aktuellen Wasserzulauf (Foto) war der Quelltopf am Wiederaustritt (Event de Peyrejal) vollstängig geflutet. Normal ist die Höhle gut begehbar und beeindruckt mit wunderschönen Fließfacetten. Bei Regenwetter würde ich aber in keine der vielen Höhlen gehen, da kommt das Wasser aus unzähligen Löchern. 

Die Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung hat freundlicherweise der Veröffentlichung von Teilen der Höhlenpost Nr. 37 zugestimmt, wofür ich mir herzlich bedanke. Die Planzeichnung sind daraus entnommen.

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Last modified: 13 September 2017.

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