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1279 - Wendelwurm

Weitere Ergebnisse der Forschungstage nördlich des Wendelsteins 2016

25. Juli 2016

Nachdem Georg bereits vom organisatorischen Teil und den Pumpaktionen in "Potter's Paradise" berichtet hat, möchte ich noch von den parallel ausgeführten Grabungen im Wendelwurm während der Forschungstage berichten.

Der Wendelwurm ist ein etwa 30m langer Druckstollen, der auch bei den Einheimischen bekannt ist. Der Gang zieht sich fast waagrecht und leicht schlängelnd in den Berg, daher der von uns vergebene Name. Der Durchmesser beträgt recht konstante 80-100cm und endet schließlich an einem Lehmverschluss. Das durchaus imposante Gangprofil lässt erahnen, dass hier einmal sehr viel Wasser durchgeflossen ist und die vielen Fließfacetten gebildet hat.

Bei den Forschungstagen 2014 wurde mit Grabungstätigkeiten begonnen. Dabei wurde zunächst am damaligen Ende des Gangs ein großer störender Stein zerteilt und nach draußen befördert. Dahinter konnte schließlich angefangen werden den Lehm abzutragen, was dann auch bei den Forschungstagen 2015 sehr eifrig fortgesetzt wurde. Der erwähnte große Stein liegt etwa am höchsten Punkt des Ganges, ab dort senkt sich die Decke wieder langsam nach unten und dementsprechend muss auch leicht nach unten gegraben werden. Ebenfalls an diesem Stein beginnt eine deutlich sichtbare Störung an der Decke, die sich nach hinten weiter fortpflanzt. Sie ist nicht mit Lehm verfüllt und erlaubt es dadurch, ein paar Zentimeter über der Lehmdecke hinweg nach hinten zu blicken. Die Störung verläuft bislang ziemlich gerade und es findet sich darin ein wenig Knöpfchensinter.

Der Höhleneingang liegt nicht weit vom Wanderweg auf den Wendelstein entfernt und in angenehmer Nähe zum anderen Forschungsobjekt, dem Potter's Paradise. Dort kam am Freitag Vormittag (24. Juni 2016) zu einer kurzen Verzögerung aufgrund der Tauchpumpenproblematik (siehe Georgs Bericht), so dass wir mit fünf Mann (Andi, Ulrich, Lukas, Jens und ich) im Wendelwurm weitergraben konnten.

Im Gang selbst ist kein Platz, um den vorne abgetragenen Lehm zu deponieren, er muss nach draußen transportiert werden. Georg hat dafür drei große Plastikkanister besorgt, jeweils eine Seitenwand herausgeschnitten und dadurch drei robuste Container geschaffen, an deren Griff sich ein Karabiner einhängen lässt. Mit fünf Personen hat man eine optimale Mannschaftsgröße für die Grabung: einer gräbt vorne, ein zweiter reicht leere Kanister und nimmt die gefüllten vom Grabenden an und hängt sie an ein Seil. Von draußen zieht eine Person und zwei weitere Personen liegen im gewundenen Gang an neuralgischen Stellen und bugsieren die Kanister um Ecken und größere Unebenheiten im Boden. Sobald der Kanister draußen ausgeleert wurde, zieht ihn der zweite Mann am Seil wieder rein. Mit drei Kanistern im System lässt sich so eine ganz gute Auslastung der Mannschaft erreichen.

Durch die leicht schräg nach unten verlaufende Grabungsrichtung ist leider eine Art Badewanne entstanden, die sich im Lauf der Zeit mit Tropf- und Sickerwasser füllt. Dementsprechend hoch ist anfangs die Hemmschwelle, sich in den Sumpf zu legen und mit den Grabungen zu beginnen. Nach etwas gutem Zureden habe ich mich bereit erklärt anzufangen. Mit einem Klappspaten lassen sich gut greifbare Blöcke aus dem Lehm stechen, am Boden warten allerdings größere Steine, die ebenfalls herausoperiert werden müssen. Wir kamen recht gut voran und haben einige Stunden Kanister um Kanister befüllt und nach draußen befördert. Vorm Eingang türmt sich mittlerweile ein recht respektabler Lehmhaufen. Als sich die abwesenden Kameraden per Funk mit einem neuen Stromaggregat zurückmeldeten, beendeten wir für diesen Tag das Graben und halfen wieder bei der Pumpaktion im Potter's Paradise mit.

Am nächsten Morgen liefen zunächst die Pumpen auf Hochtouren und es hieß warten, so hatten wir wieder Gelegenheit, uns dem Lehm im Wendelwurm zu widmen. Interessanterweise hatte sich über Nacht sehr viel Wasser im hinteren Bereich gesammelt, das wir erst abhebern mussten. Ich hatte schon vor längerer Zeit einen Gartenschlauch besorgt und dort deponiert, der nun wieder zum Einsatz kam. Es dauerte überraschend lange, bis kein Wasser mehr kam und wir hatten dementsprechend Zeit uns mit Mücken und Bremsen zu beschäftigen. Schließlich hatte sich Jürgen bereit erklärt hinten zu graben, während ich draußen zog. Diesmal machte Verena den anstrengsten Job als Zuarbeiterin, während Andi und Ulrich im Gang hin und her robbten, um die Kanister an den Störstellen vorbeizuleiten. Als wir nach einigen Stunden beschlossen aufzuhören, hatte sich der Lehmberg am Eingang nochmals sichtlich vergrößert. Als alle draußen waren, bin ich noch nach hinten gerobbt und habe mir den Fortschritt angeschaut. Respekt, was da an einem Tag passiert ist! Die Störung an der Decke macht nun einen kleinen Schwenk nach oben, so dass man ein wenig weiter in die Fortsetzung spähen kann. Ein Ende war auch dann noch nicht in Sicht, aber die Motivation zunächst erschöpft. Wir haben in den beiden Tagen vermutlich zwei Meter Gang freigeräumt, was sich bei dem dort breiteren Gangprofil durchaus sehen lassen kann.

Inklusive den Forschungstagen 2016 haben somit folgende Leute im Wendelwurm gegraben, gezogen und gebohrt: Verena, Georg, Wolfgang, Jürgen, Rolf, Jens, Holger, Ulrich, Lukas, Andi und ich selbst, Florian. Euch allen vielen Dank für die Mühen!

Kleiner Ausblick: Nachdem insbesondere Andi und ich in den vergangenen Wochen mehrmals mit weiteren Helfern gegraben haben, wird es allmählich interessant. Es sind weitere Meter gemacht worden, es gibt u.a. jetzt auch spannende Geräusche und Einblicke mit einer Endoskopkamera, aber dazu mehr in einem separaten Bericht.

Ich möchte mich an dieser Stelle dem Lob aus Georgs Bericht anschließen: Die Teamarbeit über die Tage hinweg hat einfach reibungslos funktioniert und wir haben alle lustige und produktive Tage und Abende erlebt. Vielen Dank insbesondere an Georg für die super Organisation der Forschungstage, ich freue mich auf nächstes Jahr!

 

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