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Mittel der Sprengtechnik

Veröffentlicht in der SPRENGINFO 1/2015, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Sprengverbands


Sprengen im Rahmen der Höhlenrettung - ein Sprenglehrgang entsteht

Blast operations for rescue in caves - a special education is arising

von Thomas Knollmann

Die Rettung von Menschen in Gefahrensituationen gestaltet sich immer schwierig, insbesondere bei der Höhlenrettung. Eine sprengtechnische Zerstörung von Felsgestein wird, sobald sich Menschen in der Nähe befinden, sehr aufwendig. Die Anforderungen der Höhlenretter mit der Entscheidung über einen erforderlichen Einsatz von Explosivstoffen in unmittelbarer Nähe von Menschen werden in Lösungsvarianten und einem Sprenglehrgang beschrieben.

The rescue of explorers in situations of danger is always difficult, especially in caves. The destruction of rocks by explosives is very demanding as soon as people are near by. The demands for rescue teams concerning the application of explosives in close proximity of people are described with several varieties and as well as a training course.

Es fing wie so oft ganz harmlos an... als vor zwei Jahren während einer Bergwachtübung über den eventuellen Einsatz von Sprengstoffen im Rahmen der Höhlenrettung diskutiert wurde. Die Höhlenrettung ist in Bayern bei der Bergwacht Bayern eingebunden. Bei den Gesprächen stellte sich heraus, dass die bis dato genutzten Techniken, die neben dem Sprengkeilen zum Einsatz kamen, zwar sehr kreativ, aber nicht ungefährlich waren.

Sehr schnell kamen Fragen auf: Wie aufwendig ist es, eine Engstelle in der Höhle sprengtechnisch zu beseitigen? Was muss ein Höhlenretter können, damit er dies durchführen kann? lm Ausland (Italien, Frankreich, Schweiz...) war  der Einsatz von  Explosivstoffen bereits üblich - Erfahrungsberichte gab es leider keine.

Die sprengtechnische Zerstörung von Felsen wird, sobald sich Patient und Arzt sowie Höhlenretter in der Nähe befinden, sehr aufwendig. Genau aber vor diesen Herausforderungen steht der Höhlenretter bei einem Einsatz, wenn eine Engstelle beseitigt werden muss. In den folgenden Gesprächen und Überlegungen mit Bergwachtkollegen und Sprengberechtigten über Sinnhaftigkeit, den notwendigen Inhalt und Umfang eines Lehrganges entstand die Idee, einen „Maßgeschneiderten Lehrgang“ für die Höhlenretter zu konzipieren. Es folgten Gespräche mit der Gewerbeaufsicht, Versuche in Steinbrüchen und stetig wuchs das Lehrgangskonzept. Bis alles fertig war, hatten bereits einige Höhlenretter den ersten Kontakt zu den explosionsgefährlichen Stoffen im Rahmen eines „P2“-Lehrganges. Diesen Lehrgang hatte die Bergwacht Bayern für 20 Höhlenretter organisiert, um im Einsatzfall zusätzliche „Werkzeuge“ für die Rettung zur Verfügung stellen zu können.

Bei dem großen Höhlenrettungseinsatz “Riesending“ in Berchtesgaden im vergangenen Jahr sind „P2“-Wirkkörper aber nicht zum Einsatz gekommen. Es gab während diesem Einsatz immer wieder Überlegungen von Höhlenrettern, Explosivstoffe einzusetzen - da sich der Verunfallte aber in ausreichend guter Verfassung befand, konnte die Rettung ohne den Einsatz von Sprengtechnik erfolgreich durchgeführt werden. Bei diesem Einsatz wäre „P2“ zum Beispiel ungeeignet gewesen, um die problematischen Stellen passierbar zu gestalten.

Der Höhlenrettungseinsatz am „Riesending“ zeigte aber sehr deutlich, dass die Einbindung eines „Sprengvorganges“ in den Rettungsablauf immer problematisch sein wird. Seilversicherungen, Seilbrücken bzw. Fixpunkte für die Rettung könnten zum Beispiel durch Steinschlag beschädigt werden. Auch die Kommunikationswege können zerstört werden und die Frage der Bewetterung in der Höhle ist von Höhle zu Höhle verschieden.

Bei den ersten Übungen zusammen mit der Bergwacht zeigten Sprengschnur und Zünder sehr schnell, dass die bekannten Vorteile der pyrotechnischen Wirkkörper gegenüber den Explosivstoffen in der Höhle keine Relevanz mehr haben.

Der notwendige Bohrdurchmesser von 14 mm beim PTG gegenüber 8 mm bei der Anwendung von Sprengschnur und Zünder ist schon durch den Einsatz von Akkubohrgeräten ein Ausschlusskriterium. Ein weitaus größeres Problem ist auch die zwingend notwendige Verdämmung und die damit verbundene Bohrtiefe bei dem Einsatz von „NC“-Kartuschen.

So liegen die Schwerpunkte in dem neuen Lehrgang in der Anwendung von Sprengschnur und Sprengzündern zum Abkerben bzw. Abspalten von Felsen. Die Probleme der Abschottung der Einsatzkräfte bzw. des Patienten gegen Sprengschwaden, Druckwelle, Steinschlag und dem Lärm sind ein weiterer Schwerpunkt. Die Gesetzeskunde entspricht dem Umfang und Inhalt eines Grundlehrganges „Allgemeine Sprengarbeiten“.

lm Oktober 2014 wurde der erste Grundlehrgang mit Mitgliedern von verschiedenen Höhlenrettungseinrichtungen aus Deutschland und Österreich durchgeführt.

Eine Besonderheit an diesem Lehrgang dürfte sicherlich die praktische Prüfung sein. Die Teilnehmer hatten im Rahmen eines fiktiven Rettungseinsatzes „Höhlengänge“ so zu erweitern, dass der Retter diese Engstelle anschließend mit Trage passieren konnte. Die Höhle durfte hierbei jedoch nicht einstürzen. Ein Dank geht hier an die Kollegen vom Steinbruch, die für uns die Höhlen „gebaut“ und vorbereitet hatten.

Alle Teilnehmer haben den Grundlehrgang erfolgreich bestanden.

Die Teilnehmer werden überwiegend eine Erlaubnis nach § 27 beantragen, da sie hauptsächlich privat als Höhlenforscher unterwegs sind.

Als Lehrgangsleiter freute es mich besonders, dass sich die Teilnehmer nach dem Lehrgang zu gemeinsamen regelmäßigen sprengtechnischen Übungen treffen wollen. Und dies ist nicht nur ein „Guter Vorsatz" geblieben. Bereits im Januar dieses Jahres haben wir uns in Österreich getroffen. Die Vorbereitungen und die Organisation für den ersten Übungstermin hatte ein Teilnehmer der Salzburger Höhlenretter übernommen. Am Samstag wurden im Steinbruch Weissbachkalk nochmals verschiedene Sprengaufgaben gelöst, Am folgenden Tag stand dann die Befahrung einer Höhle auf dem Programm. ln dieser nahegelegenen Höhle wurde dann eine kleine Sprengung am „Goldenen Tor“ mit einem „Zünder“ durchgeführt. Die erforderlichen Abläufe und Maßnahmen wurden durchgespielt und durchgesprochen. Wichtig waren hier die Messung von Schalldruck, Schadstoffen und die Auswirkung auf Fledermäuse, die in anderen Höhlenteilen überwintern. ln einer Entfernung von etwa 10 Metern konnte ein Pegel von 130 dB(A) gemessen werden. Das Gasmessgerät zeigte erwartungsgemäß keinen Anstieg von Schadstoffen, auch die Fledermäuse in den anderen Höhlenteilen ließen sich nicht von dem Test stören.

Als Fazit der Ausbildung und der Übung ist festzuhalten, dass alle Teilnehmer bei einem Höhleneinsatz in der Lage sind, eine eventuelle Sprengung sicher durchzuführen oder auf Grund der Gefährdungsbeurteilung diese auch abzulehnen. Und so freue ich mich schon auf die nächste gemeinsame Übung im April in Nordbayern.

Anschrift des Autors:

Thomas Knollmann
ifp Ingenieurbüro für Prozeßautomation GmbH
Am Schmiedberg 21
83629 Weyarn
www.explosives-and-more.de

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