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Sprengen im Rahmen der Höhlenrettung

Veröffentlicht in der SPRENGINFO 3/2015, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Sprengverbands


Sprengen im Rahmen der Höhlenrettung

Blast operations for rescue in caves

von Thomas Knollmann

Im Rahmen einer Einsatzübung sind zwei Engstellen in einem Rettungsweg zu erweitern. Die sprengtechnische Erweiterung des Höhlenrettungsweges kann nur unter Beachtung der Voraussetzungen und Anforderungen des Naturschutzes erfolgen. Zusätzlich sind spezielle Vorbereitungen notwendig, da die Bohrarbeiten und die erforderliche Zwangsbelüftung nur mit batteriebetriebenen Geräten durchgeführt werden können.

During a practice two narrow passes of a rescue way have to be enlarged. The widening by use of explosives only can be performed in compliance with the demands and conditions of nature conservation. Additionally special preparations are necessary because drilling and ventilation can be done only by battery operating machines.

Zum Ende des Sommers ergab sich eine einmalige Gelegenheit für die Sprengberechtigten der Höhlenrettung.

Ein „Rettungsweg“ in einer ganzjährig fest versperrten Höhle ist zu eng, um im Ernstfall einen Forscher in einer Trage aus den Tiefen wieder an die Oberfläche zu bringen.

Nach Durchsprache der Lage und Problematik der Engstellen mit der zuständigen Behörde wurde die Zustimmung einer sprengtechnischen Erweiterung erteilt. In die Planung eingeflossen sind auch Überlegungen zum Naturschutz. Fledermäuse wurden auch im Winterhalbjahr nie beobachtet, so dass sich das Vorhaben auch aus dieser Sicht als unproblematisch erwies.

Nachdem die Vorbereitungen für die Übung abgeschlossen waren, traf sich das Team aus zehn Höhlenforschern und Höhlenrettern aus Süddeutschland zu dem gemeinsamen Einsatz mit dem Ziel, die beiden Engstellen für den Transport einer Rettungstrage zu erweitern.

Bei der ersten Engstelle in einem fast senkrechten Schacht musste auf einer Länge von ca. 6 Metern Fels von einer Schachtseite abgetragen werden. Es war ein Abtrag von 20 cm Fels notwendig, damit sich ein Patient auf der Trage nicht zwischen den gegenüberliegenden Wänden verkeilt.

Die zweite Engstelle ist mit 40 bis 50 cm nicht zu eng gewesen, der rechtwinklige Knick jedoch machte ein Durchkommen mit einer Trage aufgrund deren Länge unmöglich.

Durch die Sprengung einer Felsplatte sollte sich ein Radius ergeben, über den dann die Trage gezogen werden kann.

Die Bohrarbeiten wurden mit akkubetriebenen Geräten und kleinen Bohrdurchmessern durchgeführt. Als Sprengstoff kam Sprengschnur mit 40 g/m und 20 g/m zum Einsatz. Elektrische und nichtelektrische Zünder standen zur Verfügung.

An beiden Engstellen mussten fast 40 Löcher mit einer Tiefe von bis zu 80 cm gebohrt werden. Insgesamt wurden etwas über 600 Gramm Sprengstoff benötigt.

Für die Zwangsbelüftung setzte man ein System aus Rohrventilator und Folienschlauch ein. Dieses wurde von einer Autobatterie gespeist und entfaltet bzw. entrollt sich selbstständig. Der flexible Luftschlauch ermöglicht es, selbst in engen Höhlen an dem Frischluftsystem vorbeizukommen.

Nach den Unterweisungen wurden die Teams, in der Regel aus 2 Personen bestehend, für die Arbeiten in der Höhle und der Einsatzleiter an der Oberfläche festgelegt. Die Kommunikation zwischen dem Team „Höhle“ an der Sprengstelle und der Einsatzleitung erfolgte über Heulruftelefone.

Das erste Team errichtete eine Sperre zwischen „Patient“ und der unteren Sprengstelle und führte dann die Bohrarbeiten an der zweiten Engstelle durch. Parallel dazu arbeitete Team 2 an den Bohrungen der oberen Engstelle. Die Telefonleitung wurde durch Team 3 zu dieser Engstelle gelegt. Über das Telefon wurden Anzahl und Tiefe der Bohrungen durchgegeben.

Das Team 4, zwei Sprengberechtigte, bereitete an der Oberfläche die Ladungen vor und legte den Zündplan bzw. Sprengplan fest. Nach einer kurzen Lagebesprechung mit den zurückgekehrten „Bohrteams“ stieg Team 4 mit Zündern und Sprengschnur, getrennt transportiert, zu den Engstellen ab.

Die Bezünderung der Sprengschnüre und die Ladearbeiten erwiesen sich in der engen Höhle als schwierig, wie erwartet. Die Zünder sollten im Bohrloch vor Steinschlag geschützt eingebracht werden. Deshalb entschied man für eine axiale Verbindung zwischen Sprengschnur und Zünder. Dies funktioniert an der Oberfläche wesentlich leichter als im Schacht mit lehmig-feuchten Händen bei 100 % Luftfeuchtigkeit und 8 °C Lufttemperatur. Auch die Gefahr, die Zündanlage durch eine unbedachte Bewegung zu beschädigen, ist bei der Enge nicht zu unterschätzen.

Team 4 hatte festgelegt, die untere Engstelle mit 17 Ladungen nicht elektrisch zu zünden und die Sprengstelle durch Abdeckungen gegen die obere zu schützen. Die 18 Ladungen der oberen Engstelle wurden mit elektrischen Zündern der Zeitstufe 7 und 8 bestückt. Die Initiierung des nichtelektrischen Zündkreises erfolgte auch elektrisch mit Zeitstufe 1.

Beim Ausstieg aus der Höhle und aus den geladenen Engstellen wurden die Sicherungsseile ausgebaut, um diese nicht durch Steinschlag zu beschädigen. Wie eng und beschwerlich die Arbeiten unter diesen Bedingungen sind, lässt sich an Hand des Zeitaufwandes nur erahnen: 4 1/2 Stunden wurden benötigt, um 35 Bohrlöcher zu laden und den Zündkreis für beide Sprengstellen fertigzustellen.

Während der Ladearbeiten wurde durch Team 6 die Zwangsbelüftung eingebaut, getestet und die Wetterlage mit einem Gasmessgerät im Schacht kontrolliert.

Nachdem die Zündkreisprüfung keine relevanten Abweichungen ergeben hatte, konnte die Höhle verlassen werden. Es wurde durch namentlichen Aufruf kontrolliert, dass auch wirklich alle Personen die Höhle verlassen hatten.

Nach nochmaliger Zündkreiskontrolle konnte um 21:32 Uhr gesprengt werden.

Trotz Zwangsbelüftung wurde erst ca. 10 Minuten nach der Sprengung am Höhlenausgang ein leichter Anstieg der Kohlenmonoxid(CO)-Konzentrationen festgestellt. Bereits nach einer Stunde nahm die Konzentration deutlich ab. Eine gefährliche Konzentration des Gases bestand zu keinem Zeitpunkt.

Die sommerlichen Temperaturen wurden genutzt, um am Abend nochmal die wichtigsten Punkte des Tages zu besprechen.

Am nächsten Morgen wurde die Belüftung erneut eingeschaltet und die Konzentration von Schadstoffen im Höhleneingang kontrolliert. Da alle Werte den „Normalwerten“ entsprachen, wurde die Höhle für die Kontrolle der Sprengstellen freigegeben. Das erste Team mit Sprengberechtigten besichtigte die Sprengstellen und kontrollierte die Schadstoffkonzentrationen im gesamten Be reich der Höhle. Nach deren Freigabe konnten die „Aufräumarbeiten“ beginnen. Bruchstücke sind weggetragen und an sicheren Stellen in der Höhle gelagert worden. Stets wurde der Schutt auf Sprengstoffreste ge sichtet. Größere Felsstücke wurden einzeln abtransportiert. Die Wände im Bereich der Sprengstellen mussten auf lose Steine untersucht und diese dann entfernt werden.

In Abbildung 8 gut zu erkennen: Der Querschnitt ist deutlich erweitert - jetzt passt eine Trage durch.

Nach zwei anstrengenden, erfolgreichen Tagen hat das Team eine Menge erlebt und neue Erfahrungen gesammelt. Auf diese Erfahrungen können alle, bei einem eventuellen Einsatz, zurückgreifen.

„Glück Tief“ den Forschern bei ihrer weiteren Arbeit! Es bleibt zu hoffen, dass der Rettungsweg nie benutzt werden muss!

Anschrift des Autors:

Thomas Knollmann
ifp Ingenieurbüro für Prozeßautomation GmbH
Am Schmiedberg 21
83629 Weyarn
www.explosives-and-more.de

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Last modified: 13 September 2017.

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