A+ A A-

1291 / K1 Stollen Eisendorf

Anfrage der SZ Ebersberg zum Eisendorfer Entwässerungsstollen

Landkreis Ebersberg

Winfried Raab hatte von Roland Konopac eine Anfrage eines Reporters der Süddeutschen Zeitung in Ebersberg zum Eisendorfer Entwässerungsstollen weitergeleitet bekommen. Er hat die Vereinsmitglieder zwecks Beteiligung befragt; Thomas Zrenner und ich hatten Zeit. Mit dem noch sehr jungen Reporter, Johannes Hirschlach, war anfangs noch ein Fotograf dabei, der uns aus Zeitgründen nur bis zum Stolleneingang begleitete.

Um zum Stollenmundloch zu gelangen, folgten wir dem Bachlauf in einem neueren, aufrecht befahrbaren Wasserstollen durch den knapp 20 Meter hohen Bahndamm. Dahinter ging es ein paar Minuten hangaufwärts zum eigentlichen Ziel.

Hier strömt der solide Bach aus dem, in Naturstein gefassten, rechteckigen Eingang. Oberhalb des Eingangs gibt es noch eine kleine Höhle, die aber nach wenigen Metern unschliefbar wird. Sie birgt einen Geocache, der von uns jedoch unberührt blieb.

Außen und innen fotografierten wir ausführlich. Nach einigen, vollständig ummauerten Metern in gebückter Haltung die Deckenhöhe beträgt etwa 1 Meter setzt sich der Stollen naturbelassen fort. Es gibt mehrere natürliche Querspalten. Teils sorgen Seitenwände dafür, dass die in den Spalten gelockerten Gesteine nicht in den Bachverlauf abrutschen. Der aufrechte Gang wird erneut durch einen Abschnitt mit Ummauerung unterbrochen. Entsprechend zügig wird auch dieser Bereich durchfahren.

In der Mitte gibt es einen kurzen ansteigenden Seitengang mit einer kleinen Kammer am Ende. Dass es sich hier um einen Fluchtpunkt vor dem einbrechenden Wasser während der Vortriebsarbeiten oder zur Eröffnungsfeier handelt, ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr könnte die mittige Lage und die leichte Biegung im Bachverlauf auf einen Durchschlagspunkt im Falle eines Gegenortvortriebs hindeuten (Hinweis von Andreas Wolf). Zwei Sitzmatten und ein paar Teelichter liegen dort.

Am oberen Ende ist der knapp 290 Meter lange Stollen wiederum ummauert; diesmal auf einer längeren Strecke. Grund hierfür ist die geringere Geländeüberdeckung und Unterquerung der Staatsstraße St2089. Somit sind Ein- und Ausgang des Entwässerungsstollens in ihrer Dimesion gleichartig. Man kommt neben einer Weide unterhalb der besagten Straße, die früher am Seeufer entlang lief, wieder heraus. Laut amtlicher Karte gibt es bachaufwärts einen weiteren Durchfluss durch einen Möranenhügel. Ob dort eine Befahrung möglich ist, wurde noch nicht erkundet.

Der Eisendorfer Stollen wurde 1829 von einem Steinhauer und seinem Gehilfen innerhalb von 4 Monaten durch das lockere, nicht vollständig verfestigte Konglomerat gegraben, um einen See von etwa 20-30 Hektar Größe abzulassen, umliegende Sümpfe trockenzulegen und so den Bereich landwirtschaftlich nutzen zu können. Es war angeblich der fischreichste See weit und breit. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Andreas Wolf hat sich 2001 um die Vermessung gekümmert; die Planzeichnung steht noch aus. Die Katasternummer lautet 1291 / K1. Das Gebiet 1291 umfasst das Flachland südlich der Donau zwischen Isar, Inn und Alpenrand siehe Gebirgsgruppengliederung nach Hubert Trimmel.

Ein Dankeschön geht an Fritzi & Jörg Obendorf für die Leigabe von zwei Höhlenausrüstungen. Somit waren die beiden SZ-Reporter mit Helm und Lampe versorgt.

Zusatz von Winfried Raab am 03.11.2016

Mein Gespräch mit Andreas Wolf brachte eine mögliche Erkenntnis über Sinn und Zweck des kleinen Seitengangs etwa in der Stollenmitte. Vielleicht gab es hier das Zusammentreffen der gleichzeitig aus beiden Richtungen angeschlagenen Grubenbaue Ort und Gegenort. In diesem Falle könnte man die beiden, anfangs noch getrennten Strecken auch See- und Atteltal-Stollen bezeichnen. Womöglich ist der kleine Seitengang der etwas zu weit vorgetriebene Atteltalstollen, dessen Ende dann mangels Nutzung teils wieder verfüllt wurde. Für die Verfüllung spricht auch die vorgelagerte Seitenmauer, die zwischenzeitlich eingestürzt ist; die Mauersteine liegen teils im Bachbett. Seitenmauern gibt es andernorts nur vor den labileren Querspalten bzw. Kluftstörungen, die hier nicht ersichtlich sind.

Möglicherweise gab es also einen Durchschlag wenige Meter vor der Ortsbrust (Stollenende). Die leichten Krümmungen, zunächst leicht "nach links" und dann "nach rechts" in Richtung des Seestollens könnten ein Hinweis auf den, womöglich akustisch von der Gegenseite unterstützten Suchvorgang kurz vor dem Durchschlag sein. Somit wäre eine Abschätzung der damaligen Messgenauigkeit, konkret also +/- 3m (horizontal) +/- 0.5m (vertikal) möglich.

Die vorgenannten Vermutungen müssten freilich durch konkrete Vermessungsdaten und ggf. nochmalige Ortsbefahrung erhärtet oder entkräftet werden.

Geographische und geologische Gegebenheiten

Das Gelände um den Entwässerungsstollen befindet sich innerhalb eines ausgedehnten Bogens aus Moränenwällen. Sie sind das Werk des Inngletschers, der sich während der letzten Eiszeit, der sogenannten "Würmeiszeit" vor ca. 20.000 Jahren, weit ins Alpenvorland vorgeschoben hatte. Fächerförmig hatte er sich vom heutigen Rosenheim aus ausgebreitet und beim Abschmelzen die mitgeführten Geröllmassen als Aufschüttung zurückgelassen. Weithin sichtbar sind die Höhenzüge bei Kirchseeon (Spannleitenberg) und Ebersberg (Aussichtsturm). [Quelle: Museum der Stadt Grafing, http://www.museum-grafing.de/geschichte/gesch_geo.html]

Der Eisendorfer See

Anhand einer Passage aus dem 1776 geschaffenen "Goldenen Buch" der Hofmark Eisendorf sowie einem Protokoll, das vor nunmehr 187 Jahren bey Abzapfung vielmehr Vertilgung des Eisendorfer Sees zu Papier gebracht wurde, berichtet der Leiter des Stadtarchivs Grafing, Bernhard Schäfer, bei einem Archiv-Stammtisch im August 2009 Folgendes über den Eisendorfer See:

Dieses Gewässer, das im Jahre 1416 erstmals in der schriftlichen Überlieferung auftaucht, zählte einst zu den größten und fischreichsten Seen im Ebersberger Raum. Im Jahre 1507 verkaufte Herzog Albrecht IV. den See, der bis dahin zur herzoglichen Pflege Elkofen gehört hatte, an seinen Rentmeister Wolf Lenkhofer. Dieser wiederum veräußerte den See 1511 an Hans Seuer, den Inhaber des Adelssitzes Eisendorf. Von da ab blieb der See, der in der frühen Neuzeit immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen mit den Herren auf Elkofen, aber auch mit den angrenzenden Untertanen gab, bis zu seinem Ende fest mit der Geschichte der Eisendorfer Hofmark verbunden. 1829 schließlich ließ der Aufklärer Joseph Ritter von Hazzi, als Inhaber des Patrimonialgerichts El­kofen, in dem die Hofmarken Eisendorf und Elkofen zusammengefasst worden waren, den See wegen dessen negativer Auswirkungen auf die Umgebung über einen eigens geschaffenen unterirdischen Kanal ins Atteltal ableiten und somit trockenlegen. [Quelle: Meine Anzeigenzeitung, Archiv-Stammtisch in Grafing: Von wertvollen Rechten und einem verschwundenen See]

Der oben zitierte Adelssitz Eisendorf war einst eine viereckige Wasserburg siehe unten: Kartenausschnitt der Uraufnahme (1808-1864) mit See und Wasserburg Eisendorf. Von der inzwischen abgetragenen Burganlage gibt es noch mittelalterliche Kelleranlagen sowie Reste der Wall- und Grabenanlagen. Das Grundstück wurde vom Bauernanwesen "beim Fischer" überbaut. Zudem erinnert der heutige Straßenname Seeweg 13 an die einstige Ufernähe. [Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burgstall_Eisendorf]

Die Entwässerung als Strukturreform für die Agrarwirtschaft

Wie bereits erwähnt, war es Joseph Ritter von Hazzi (* 12.02.1768 in Abensberg; † 20.05.1845 auf Burg Elkofen), der den Anstoß zur Entwässerung des Eisendorfer Sees gab. Der Vater seiner zweiten Frau war der bayerische Landesappellationsgerichtspräsident Aloys Basselet von La Rosée, von dem er 1827 Schloss und Gut Elkofen bei Grafing kaufte, das er binnen weniger Jahre u.a. durch die Einführung der Fünf-Felder-Wirtschaft, Stallfütterung, zweckmäßige Düngungen und Gewinnung neuen fruchtbaren Bodens durch Rodungen und Trockenlegungen in einen mustergültigen Betrieb umwandelte. [Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_von_Hazzi]

Für seinen Ehrgeiz wurde Hazzi in vielfacher Weise geehrt. Eine dieser Ehrungen, die nicht nur ihm, sondern auch seinen Helfern zuteil wurde, ist in Form der gedruckten "Beilage zu[m Wochenblatt des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern] Nr. 8., Die Feier des Central=Landwirtschafts= oder Oktoberfestes im Jahre 1833." fixiert. Wörtlich heißt es ab Seite 19 zur Ehrung Hazzis:

Besondere Auszeichnung,
  Herr Staatsrath von Hazzi, der auf jeden Preis verzichtet hat, wird nach allen seinen rühmlichen Leistungen auf seinen Gütern im Landgerichte Ebersberg zur Empobringung der Landwirthschaft hiermit vorgetragen.
[...]
23) Nebenbey kam ein sehr großes Unternehmen zu Stand, nämlich die Austrocknung des Eisendorfer=Sees. Aus der beygefügten Urkunde ergiebt sich, daß dieser See in den ältesten und neuesten bayer'schen Landkarten vorkömmt, und den Herzogen von Bayern und zwar zuletzt Herzog Albert IV. gehörte, und früher der Flächenraum davon weit über hundert Tagwerke betrug. In dem alten Saalbuch der Hofmark Eisendorf heißt es darüber: "Es war schon öfter von einem Kanal zur Ablassung des Sees der bequemeren Fischerey wegen die Rede; die Unmöglichkeit davon fällt jedoch in die Augen, indem der Berg, der den See an der Ostseite einschließt, auf den obern Theil mit einer Kruste von harten Felsen und Nagelstein bedeckt ist, welchen durchzubrechen, eine Römerarbeit wäre, und zwanzigfach größere Unkosten verursachen würde, als was der See und das ganze Eisendorf werth wäre." Hr. Staatsrath v. Hazzi dachte jedoch auf alle möglichen Mittel, diesen See und zwar nicht für die Fischerey, sondern zur vollen Trockenlegung und Kultur abzulassen. Er stellte mehrere Versuche an, und der Zufall führte den rechten Mann, einen Steinhauer, Kretschmayr mit Namen, dazu. Dieser so geschickte als kühne Mann unternahm einen unterirdischen Kanal herzustellen, und schloß der Kosten wegen mit Hrn. v. Hazzi am 22ten März 1829 einen Contract ab. Am 16ten Julius 1829 geschah in Gegenwart der Gutsherrschaft, des königl. Landgerichts von Ebersberg, mehrerer Fremden und einer Menge Bewohner der Gegend und Bürger von Grafing mit Wegnahme der Vormauer die feyerliche Eröffnung des Kanals. Mit einem fürchterlichen Ungestüm strömte das Seewasser durch, und machte sich jenseits am Fuße des Berges mit schauerlicher Gewalt eine Bahn, um sich mit dem nahen Attelflusse in Verbindung zu bringen. In Zeit von 3 Tagen war der ganze See abgelaufen, und ist von diesem Zeitpunkte an als verschwunden zu betrachten. Es wurde nun sogleich die Ausgleichung mit den Anstossern, eigentlich den Usurpationen [widerrechtliche Inbesitznahmen] der Seeufer mittelst Streumähen bey trocknen Sommern etc. durch den Gerichtshalter [Joseph Anton Ritter von Kern] vorgekehrt, die um so leichter war, als sich der Eigenthümer und Grundherr zu jedem Opfer verstand, und diese Eroberungen den Grundholden gerne gönnte. Derselbe begnügte sich mit der Begränzung für sich zu 35 Tagw., und räumte alles anderen besagten Grundholden ein. Nun ließ er auf allen Seiten tiefe Abzugsgräben ziehen, und das ungleiche Seebett ebnen. Die aus den Gräben gewonnenen Torf= und Erdschollen wurden in Haufen gebracht, verbrannt, und die Asche weit umher ausgestreut: So bildete sich bald gutes Gras. Unterdessen zerriß eine große Ueberschwemmung auf mehreren Seiten das Innere des Kanals. Dieser mußte mit neuen Kosten solider gemacht, und förmlich ausgewölbt werden, welches im vorigen Jahre [1832] zu Stande kam. Der Erfolg war, daß man schon im vorigen Frühjahre mit trockenem Fuße die ganze Seefläche durchgehen und mähen konnte. Es wurden schon im vorigen Jahre 20 Fuder Heu [erster Grasschnitt] und 8 Fuder Grumet [zweiter und weiterer Grasschnitt] erzielt, und zwar von bester Qualität. Heuer [1833] giebt es beynahe das Doppelte, und wird bald eine noch größere Menge geben so daß dieser große Wiesengrund nunmehr als das Kleinod für die Oekonomie in Oehlkofen betrachtet werden kann. Der Kanal ist jetzt fest gebaut, und kann jedem Schicksale trotzen, so auch die Abzugsgräben. Zugleich ist die Vorsorge getroffen, daß man diesen ganzen Seegrund, nunmehr Wiese, nach Gefallen wieder wässern kann. Die benachbarten Grundholden gewannen ebenso bedeutend dabey, da sie ebenfalls in ihren Distrikten Abzugsgräben zogen, und sich so schöne Wiesen schufen, während sie sonst nur bey trocknen Jahren saures Heu oder eigentlich Strey mähen konnten.

Weiter unten im Text ab Seite 43 erfolgt dann die Ehrung des oben zitierten Steinhauers Johann Kretschmayr und seines Gehilfen Paul Hungerberger:

Besondere Anmerkung.
  Dem Johann Kretschmayr, Steinhauer von Grafing, Landg. Ebersberg im Isarkreise wurde vom General=Comité [des landw. Vereins] für sein wichtiges und kühnes Unternehmen zur Trockenlegung des Eisendorfer Sees zur Aufmunterung die kleine goldene Medaille zuerkannt.
  Johann Kretschmayr, ein Steinhauer, gebürtig von Veitwend, k. Landg. Dinkelsbühl im Rezatkreise [heute: Veitswend, Ortsteil v. Dinkelsbühl].
  Im Jahre 1829 arbeitete derselbe in der Gegend des adelichen Gutes Oehlkofen bei Grafing im Isarkr. Durch den Besitzer dieses Gutes, Herrn Staatsrath Joseph von Hazzi leuchtete zwey Jahre nach der Uebernahme desselben schon helleres Licht über die Gegend. Dieser berühmte Staatsmann, dessen Kultur=Eifer schon lange Zeit bekannt ist, fiel auf den Gedanken, den dortigen sogenannten Eisendorfer See entwässern und sonach trocken legen zu lassen.
  Diese Idee vernahm obiger Steinhauer Kretschmayr. Dieser thätige und vom Ehrgeize entflammte Mann bot alles auf zu versuchen, eine natürliche Abzugsquelle zu finden. Er minirte mehrere Gruben, ja bei 54 Schuh [ca. 15.8m] tiefe Brunnen; schon glaubte er dem Gelingen seines Zweckes nahe zu seyn, als das Wasser in etwas verschwand; aber auf einmal ward Stillstand. Jedoch, anstatt den Muth zu verlieren, ward Kretschmayer nur noch kühner. Er wollte wirklich ein Römerwerk auf seine Gefahr und selbst ohne Geld und Mittel unternehmen; nämlich mittels Durcharbeiten des großen vorliegenden Berges, sohin mittels Grabung eines unterirdischen Kanals in die sogenannte Waldung (Herrnleuthen [heute: Henneleiten]) das Seewasser gänzlich abzuzapfen.
  Er legte wirklich sogleich Hand an's Werk. Als er nun einige Klafter tief hineingrub, kam nach geschehener Besichtigung von der Gutsherrschaft mit demselben über das ganze Unternehmen der Bezahlung wegen am 22. März 1829 ein förmlicher Kontrakt zu Stand.
  So kühne als rastlos setzte nun dieser Kretschmayr mit einem einzigen Gehilfen, Namens Paul Hungerberger von Unteröhlkofen, welchen er allein für dieses wichtige Unternehmen als Arbeiter, eben so kühn als treu und ausdauernd gewinnen konnte, seine Arbeit fort, und war endlich so glücklich, im Jahre 1829 mit Durchgraben eines 3 Schuh [ca. 88cm] weiten, 6 Schuh [ca. 1.75m] hohen und 912 Sch. [ca. 266.3m] langen Stollens durch den 69 Fuß [ca. 20.1m] hohen Berg fertig zu werden, so daß an demselben Tage [16.07.1829] Nachmittags 4 Uhr in Gegenwart des Gutsherrn, der Gutsfrau, des k. Landg. Ebersberg, mehrerer Honorationen und mehrerer Bürger und Zuseher, welche alle den Kanal zuvor durchgiengen und besichtigten, das Wasser abzulassen und sohin dieser See zur gänzlichen Trockenlegung wie jetzt in dem vorigen und gegenwärtigen Jahre die reichen Heu= und Grummetärndten zur Genüge beweisen geeignet hergestellt wurde.

Das Unternehmen zur Trockenlegung des Sees findet noch in einer dritten Ehrung des Patrimonialrichters Joseph Anton Ritter von Kern ab Seite 61 Erwähnung:

Nach dieser Ansicht wurde zuerkannt die große goldene Vereinsmedaille
[...]
  Dem Herrn Ritter v. Kern, k. b. Rath und adelich v. Hazzi'schen Patrimonialrichter in Oelkofen, k. Landgerichts Ebersberg im Isarkreise.
  Als derselbe i. J. 1824 als Patrimonialrichter in Oehlkofen angestellt wurde, war in Oehlkofen, Eisendorf und Hirschbichl alles in einem verwilderten Zustande; [...] Erst im Jahre 1827, als der Herr Staatsrath v. Hazzi Gutsherr von Oelkofen wurde, gieng Heiterkeit und Leben über die verwilderten Fluren und Umgebungen auf; denn sein rastloses Bestreben und seine Kostenaufwände zum Frommen seiner Hintersassen, spornten bey dem Beamten Eifer und Thätigkeit an; die gutsherrlichen Winke und Aufträge wurden auf's beste verfolgt, und ihre reinen, wohlthätigen Absichten, obwohl nicht ohne vielen Verdruß etc. auf folgende Weise durchgeführt:
[...]
9. Die Entwässerung des oben erwähnten Eisendorfer=Sees war äußerst schwierig. Der Gutsherr ließ von dem thätigen Steinhauer Johann Kretschmair durch den Berg bis an die sogenannte Hennenleuthen [heute: Henneleiten] durchgraben, und so das Seewasser abzapfen. Die Gränzbestimmung, Ausgleichung und förmliche Trockenlegung dieses See's hatte hierauf der Beamte durch die vielfältigen Versuche, deutliche Darstellung und Augenschein glücklich zur Zufriedenheit aller Betheiligten hergestellt. Nach Verpflockung der Gränzen und Ziehung der Gränzgräben wurde ein Hauptkanal und über 15 Nebenkanäle zu 1320 Klafter [ca. 2310m], alle in Spitzwinkeln gezogen, was zur vollen Entwässerung sehr beytrug. Dadurch senkte sich der See, nun vielmehr Moor, über 4 Schuh [ca. 1.17m] , und die hierauf entstandenen, mehrere 1000 sogenannte Sachrannhügel [Moorhügel] ließ der Beamte durch eine besondere eiserne Maschine (eine umgekehrte, vielmehr liegende Säge ohne Zähne, mit 2 gerade stehenden Heften versehen) abschneiden, die Moorklotzen verbrennen, die Asche derselben ausstreuen, und die Flächen mit Grassamen besäen. Das Resultat ist jetzt schon sehr erfreulich, indem nun diese große, ebene und fruchtbare Wiese (dermalen Eisendorfer=Wiese genannt) gegenwärtig schon das herrliche Futter an sehr vielem und guten Heu und Grummet, gegen 20 bis 30 Fuder, abwirft.

Ergänzende Links

Epilog

Somit ist also ein Stück Bayerischer Geschichte belegt, das seinesgleichen sucht und womöglich auch findet.

  • Die unterirdische Ablassung eines Oberbayerischen Sees ist auch an folgenden Stellen belegbar:
    • In Bad Bayersoien ist vielen der Soier See bekannt. Dass es zu früherer Zeit einen zweiten, etwa gleich großen See oberhalb, gegenüber der heutigen Bundesstraße B23 gab, ist wohl weniger bekannt. Der obere See wurde zwischen 1803 und 1805 zur Gewinnung von Streuwiesen trockengelegt. An der Südwestseite des (unteren) Soier Sees endet neben dem Seerundweg der Verbindungsstollen auch Wassertunnel genannt, der beide Seen verband. Er führt zum etwa 70 Meter entfernten Lötschmüllerhof. Der Hof beherbergte einst die sogenannte Seeburg, ein 1691 errichtetes Erholungsheim für Mönche und Gäste des Klosters Ettal und ab 1709 eine Ritterakademie. Der Name Seeburg leitet sich aus dem Standort zwischen den beiden Seen ab. [Quellen: Lötschmüllerhof – Landwirtschaftliches, hängendes Museum / Die Seeburg 1691-1803Historische Tunnelführung in Bad Bayersoien]
    • Ein weiteres Kleinod befindet sich im heutigen Tirol (ehem. Bayern) nahe Kufstein am Thierberg. Hier mündet das sog. Gletscherloch in einen alten Entwässerungsstollen. [Quelle: http://www.zobodat.at/pdf/Hoehle_026_0021-0031.pdf, S.28]
    • Schließlich noch ein ungewolltes Kapitel: Zur Umfahrung der Stadt Garmisch-Partenkirchen begannen im Frühjahr 2011 die Bauarbeiten für den Erkundungsstollen des Kramertunnel. Später soll dieser Stollen für Rettungszwecke dienen. Im Juli 2011 erreichten die Bauarbeiten nach 700 Metern einen Lockergesteinsbereich, was die Einstellung des Nordvortriebs aus Sicherheitsgründen und wirtschaftlichen Erwägungen zur Folge hatte. [Quelle: http://www.wikiwand.com/de/Bundesstraße_23] Durch die Sprengungsarbeiten wurde der labile Untergrund des Schmölzersees in einer Art und Weise gelockert, dass die dauerhafte Verlandung droht. [Quelle: Der Schmölzersee, ein Symbol für Umweltschäden]
  • Etwa 5km südöstlich des Eisendorfer Entwässerungsstollens wurde im Frühjahr 2014 ein weiteres künstliches Objekt entdeckt. Es handelt sich um einen Erdstall in einem Acker nahe einer abgegangenen Hofstelle der Einöde Bichl, Gde. Aßling, Lkr. Ebersberg. [Quelle: Erdstall im Lkr. Ebersberg entdeckt]
 

Suche

Last modified: 15 April 2018.

Spenden

Unterstützen Sie uns!

Der Verein Höhlenforschung Südbayern ist als gemeinnützig anerkannt. Jeder noch so kleine Geldbetrag unterstützt uns bei der Forschung. Mitgliedsbeiträge und Spenden bitte auf folgendes Konto der Kreissparkasse München einzahlen:

Höhlenforschung Südbayern, DE86 7025 0150 0027 2289 23, BYLADEM1KMS

Für das Finanzamt sind Spenden unter 200,-€ Kleinbeträge, die für die steuerliche Berücksichtigung keine Spendenbescheinigung erfordern. Bei höheren Beträgen erstellen wir sehr gern eine Spendenbescheinigung. Auch alle Mitgliedsbeiträge können von der Steuer abgesetzt werden.

Wir freuen uns über Deinen Besuch

Bei uns findest Du viele wissenswerte und interessante Informationen zu Höhle und Karst. Ihr möchtet uns kennenlernen? Wir Euch natürlich auch.

Am leichtesten und am schnellsten geht es durch persönlichen Kontakt. Kommt vorbei! Über Deine Teilnahme an einer unserer Touren oder Veranstaltungen würden wir uns freuen. 

Die Höhlenforschung Südbayern sucht insbesondere Interessierte, die an den Themen rund um Altbergbau oder Höhlen wissenschaftlich arbeiten wollen.

Bitte per E-Mail Kontakt aufnehmen:

kontakt [AT] tagfern [PUNKT] de 

Viel Spaß auf unserer Seite!

Aktuelle Berichte

Berichte

SRT Training in Thalkirchen November 201…

25-11-2017 Hits:224 Veranstaltungen

Training mit Höhlenrettern der Bergwacht München

SRT und Kameradenrettung Erneut trainierten Mitglieder der Höhlenrettung der Bergwacht München mit uns. Die Anlagen standen uns ab 9 Uhr zur Verfügung. Vielen Dank an Johanna...

Weiterlesen

1263 - Rofan, Forschungstour Juli 2017

20-11-2017 Hits:412 Forschung

In fünf Höhlen insgesamt 188 Meter Neuland

Samstag Am 27.07.17 starteten Thomas Zrenner, Andreas Schuller und ich zu einer zweitägigen Tour in den Rofan. Wir trafen uns am Morgen um kurz...

Weiterlesen

1263 - Rofan, Höhlenmarathon

17-10-2017 Hits:300 Forschung

Fünf Höhlen an einem Tag

Am Samstag, den 08.07.2017, in der Früh startete ich mit einem Freund zu einer Forschungstour in den Rofan. Bepackt mit 150 Metern Seil waren wir...

Weiterlesen

2. Münchner Outdoorfestival 2017

15-10-2017 Hits:220 Veranstaltungen

Mit der Höhlenrettung der Bergwacht München im Olympiagelände

Auch dieses Jahr bot die Höhlenrettung der Bergwacht München der Höhlenforschung Südbayern und dem Verein für Höhlenkunde in München die Möglichkeit das...

Weiterlesen

Besuch der Zoolithenhöhle

02-10-2017 Hits:246 Exkursion

Zoolithen = Zoon (Tier) und Lithos (Stein)

Die Höhle ist vom FHKF (Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken e.V.) gepachtet. Auf Nachfrage beim FHKF erhielten wir im September von Michel, welcher die...

Weiterlesen

Wir helfen Euch!

Ausbildung auch für Einsteiger

Die Höhlenforschung Südbayern ist ein gemeinnütziger Verein. Bei uns kann man alles lernen, was man braucht, um bekannte und unbekannte Höhlen, Bergwerke und andere Hohlräume selbstständig und sicher zu befahren, zu erforschen und sinnvoll zu dokumentieren. Das kostet nichts, aber es gibt auch keine Scheine, Zertifikate oder sonstige Nachweise.

Eigenverantwortung geht bei uns mit gegenseitiger Unterstützung einher. Das bedeutet, man lernt von wem man will, was man will, hilft einander und achtet in jeder Situation selbst auf seine Sicherheit - durch Nachdenken, Nachlesen, Nachahmen, Erfahren und Fragen.

Höhlen können sehr vielgestaltig sein und oft ahnt niemand, was hinter der nächsten Ecke auf einen wartet. Das beste Rezept, dem zu begegnen, ist gesunder Menschenverstand und häufiger fachlicher Austausch. Die Speläologie vereinigt eine Vielzahl alpiner und sonstiger Disziplinen in sich, bei deren Kombination sich eine unüberschaubare Anzahl an möglichen Situationen ergeben kann - möglicherweise auch völlig neue Herausforderungen, denen man als erster Mensch begegnet.

Planzeichnung

Berichte

1271 / 01 Volksbadsiphon - Angerlloch

21-05-2009 Hits:1370 Forschung

Das Angerlloch Rätsel

Zunächst der Status: Das Rätsel bleibt erhalten. Es kann jedoch weiter eingegrenzt werden. Offen bleibt, wo sich der Anschluß an die errechnete Wasseroberfläche von 170m² befindet. Nur...

Weiterlesen

Hochwässer an der Ardeche

13-01-2016 Hits:2041 Exkursion

Beobachtungen bei Hochwasser im Bereich des Reseau-Cocaliere/Claysse

Baume bei Hochwasser
Seit vielen Jahren fahre ich regelmäßig zum Urlaub an die Ardeche. Früher vorzugsweis zum höhlenforschen und kajakfahren, heute mehr zum wandern und mountainbiken...

Weiterlesen

Sprengen im Rahmen der Höhlenrettung

22-05-2016 Hits:1483 Veranstaltungen

Veröffentlicht in der SPRENGINFO 3/2015, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Sprengverbands

Sprengen im Rahmen der Höhlenrettung Blast operations for rescue in caves von Thomas Knollmann Im Rahmen einer Einsatzübung sind...

Weiterlesen

Experiment unter Wasser

04-04-2018 Hits:36 Veranstaltungen

Erfahrungen mit einem Blasenvorhang am Körper

Im Rahmen der Vorbereitung für eine anspruchsvolle Sprengung in einer komplexen Höhlensituation konnten Roland und Thomas Vorversuche im U-49 IndorDiving bei Aufkirchen durchgeführen. Die grundsätzliche Idee...

Weiterlesen

Karstrunde 2016/2017

18-09-2016 Hits:1398 Veranstaltungen

Vorträge zu Karst und Höhlen Alle Vorträge finden jeweils donnerstags um 19 Uhr im Naturkundemuseum in Reutlingen statt.   Donnerstag, 17. November 2016, 19 Uhr Dr. Joachim Eberle, Universität Tübingen. Geomorphologie und Landschaftsgeschichte der...

Weiterlesen

Berichte

Unser Höhlenjahr 2016

08-01-2017 Hits:1354 Exkursion

Rückblick von Manfred und Brigitte

Der Winter hat nun doch noch Einzug gehalten und man lässt es etwas ruhiger angehen. Ein idealer Zeitpunkt um ein wenig über die Höhlentouren des...

Weiterlesen

Weihnachtsfeier 2016

17-12-2016 Hits:1268 Veranstaltungen

Weihnachtsfeier im Pelkovenschlößl

Auch dieses Jahr bot die Höhlenforschung Südbayern (HFS) den 31 Anwesenden in bereicherndes Beisammensein. Georg Ronge eröffnete den offiziellen Teil gegen 20 Uhr und lud alle Anwesenden...

Weiterlesen

1263 – Eine bedeutende Entdeckung im Rof…

19-11-2016 Hits:2143 Forschung

Forschung im Pink Paradiso

Nach der erfolgreichen Forschungstour Anfang Oktober, fuhren wir erneut in den Rofan. Das Ziel von Georg Ronge, Thomas Zrenner, Katharina Böck und...

Weiterlesen

1331 Steinerenes Meer - Echobiwak 2016

01-11-2016 Hits:1817 Forschung

Wen Gott liebt, den läßt er fallen in dieses Land, Ludwig Ganghofer

Tag 1, Samstag: Gutes Wetter, Michi, Ludwig, Bene, Kathrin und ich steigen relativ spät auf. Kathrin ist wie...

Weiterlesen

1334 / 5 Die Große Eiskapelle - Monitori…

24-10-2016 Hits:1636 Forschung

25 Jahre Monitoring Eiskapelle im Nationalpark Berchtesgaden

  Am 15.10.2016 fand die jährliche Vermessung der Eiskapelle am Fuße der Watzmann Ostwand statt. Bei traumhaftem Herbstwetter stiegen 25 Interessierte aus der süddeutschen Höhlenforschung...

Weiterlesen

Kalender

Letzter Monat April 2018 Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
week 13 1
week 14 2 3 4 5 6 7 8
week 15 9 10 11 12 13 14 15
week 16 16 17 18 19 20 21 22
week 17 23 24 25 26 27 28 29
week 18 30

Fledermäuse

Berichte

1271 / 01 Der Volksbadsiphon im Angerllo…

02-10-2017 Hits:330 Forschung

Eine Übung der Höhlenrettung in Bayern

Mit Unterstützung der Höhlenrettungen Weilheim und Murnau wurde im Sommer eine Pumpaktion am 12m tiefen Volksbadsiphon durchgeführt. Ziel war es, einen Siphon für eine...

Weiterlesen

No Place on Earth

02-10-2017 Hits:296 Veranstaltungen

Eine wahre Geschichte

Chris Nicola, der Autor der Buchvorlage des Filmes "No Place On Earth" besuchte uns in Neubiberg bei München. Er hielt einen spannenden Vortrag über seine Erkundung eines ukrainischen...

Weiterlesen

1263 - Rofan, Forschungstour Juni 2017

15-08-2017 Hits:465 Forschung

Zwei Tage Pink Paradiso

Vom 17.-18. Juni unternahmen Thomas Zrenner, Katharina Böck und ich eine spontane Forschungstour in den Rofan. Wir trafen uns am Samstag gegen 6:30 Uhr in München...

Weiterlesen

1271 / 20 Gamsloch, Saisonstart im Ester…

24-06-2017 Hits:823 Forschung

Die Suche nach dem Gamsloch

Teilnehmer: Johanna Bartos, Mathias Beck, Stefan Gaar und Andreas Schuller Bereits am 1.4.2017 machten wir uns auf, um die Höhlensaison am Hohen Fricken einzuleiten. Ziel der...

Weiterlesen

VdHK Jahrestagung 2017 in Laichingen

19-06-2017 Hits:763 Veranstaltungen

Wer nicht kam, hat eine der schönsten VdHK-Tagungen verpaßt.

Auf der wirklich herausragend durch den Höhlen- und Heimatverein Laichingen organisierten Tagung wurden fünfzehn Mitglieder der Höhlenforschung Südbayern gesehen. Wesentliche...

Weiterlesen

Szene

Loading…
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

Facebook - interne Gruppe

Aktuell sind 44 Gäste und keine Mitglieder online

Anmelden   oder Registrieren