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1263 - Rofan, Forschungstour Oktober 2017

  • Veröffentlicht: Samstag, 30. Juni 2018 00:00
  • Geschrieben von Stefan Miehlich

Sehr erfolgreiche Forschungstour im Rofan

Vom 12.-15. Oktober unternahmen wir eine erneute Forschungstour in den Rofan. Teilnehmer waren dieses Mal Stefan Miehlich, Andreas Schuller, Georg Ronge, Verena Grüneis, Thomas Zrenner, Johanna Finkel, Regina Finkel, Berti M., Stefan Gaar, Andreas Walch, Sandra T., Michael S. und Benedikt M.

12.10.2017

Wir trafen uns am Donnerstag in der Früh am Parkplatz der Rofanseilbahn und fuhren mit der ersten Gondel nach oben. Zuerst deponierten wir einen Teil der Ausrüstung auf der Erfurter Hütte und machten uns anschließend auf den Weg ins heutige Forschungsgebiet. Ziel war ein Karrenfeld in der Nähe des Kransattels. Wir teilten uns auf und Johanna, Thomas und Ich erkundeten sogleich den ersten Schacht, den wir nach kurzer Zeit gefunden hatten.

Dieser stellte sich allerdings als weitere Niete heraus und wir begannen mit einer ausgiebigen Oberflächensuche. Nach ein paar weiteren Nieten fanden wir den Vier-Finger-Charly-Schacht. Dieser ist immerhin 30 m lang und 10 m tief. Anschließend erkundeten wir noch eine kleine Horizontalhöhle, die irgendwelchen Viechern wohl als WC dient und dementsprechend unangenehm zu befahren war. Schließlich machten wir uns auf den Weg zum Rucksackdepot, um eine kleine Pause mit Brotzeit einzulegen. Andreas, Georg und Verena hatten unterdessen die Gegend südlich von uns erkundet. Sie entdeckten dabei eine nette Horizontalhöhle und diverse kleine Schächte. Mit dabei war auch ein Wasserloch. Dort drinnen lag doch tatsächlich eine halb verweste Kuh! Als die drei zu uns kamen, beschlossen wir, uns langsam auf den Rückweg zur Hütte zu machen. An diesem ersten Tag endeckten wir 11 neue Kleinhöhlen.

13.10.2017

Am Freitag machten wir sechs uns auf in Richtung Pink Paradiso Höhle. Auf dem Weg dorthin entdeckte Verena noch den „Wackelsteinschacht“. Thomas, Johanna und Ich gingen direkt zur Pink Paradiso Höhle, während die anderen ein wenig die Umgebung erkundeten. Wir mussten noch einige kleinere Bereiche vermessen und Ich wollte Fotos machen. Erstes Ziel war die Bohnenhalle. Dort gelang es Johanna und Thomas, während Ich einen Seitenteil vermaß, einen kleinen Schacht freizugraben. Dieser endet allerdings nach wenigen Metern. Nach einer Fotosession begaben wir uns in den hinteren Teil. Dort vermaßen wir drei enge Schlote und einen Schacht. Der Schacht müsste allerdings für eine Befahrung erweitert werden. Es könnte sich aber durchaus lohnen, da dort ein kleines Gerinne verschwindet und er nach unten großräumiger wird. Als Andreas schließlich wieder zu uns gekommen ist, begannen wir mit der Vermessung des großen Verbruchs. Hier konnte allerdings kein Durchbruch erzielt werden. Anschließend begaben wir uns in den Marmorschacht. Andreas musste noch die Fortsetzung, die er beim letzten Mal befahren hatte, vermessen und Ich wollte Fotos machen. Als wir fertig waren, traten wir den Rückweg an und wärmten uns anschließend in der Sonne auf. Georg und Verena bearbeiteten an diesem Tag den Verbruch in der Riesenrutsche mit Treibkeilen. Sie hatten nach stundenlanger Arbeit auch Erfolg und konnten eine Fortsetzung frei machen. Als Andreas davon erfuhr, war er nicht mehr zu bremsen und musste sich diese genauer anschauen. Wir machten uns derweilen auf den Rückweg, Georg und Verena warteten zunächst am Eingang auf Andreas und erforschten nach seiner Rückkehr noch den Wackelsteinschacht. Abends auf der Hütte erzählte er uns von weitläufigem Neuland, einer Halle mit schönen Tropfsteinen und einem aktiven Mäander. Diese sind allerdings nur nach Passieren dreier grenzwertiger Engstellen befahrbar und wir sind wohl alle zu dick dafür. So kamen an diesem Tag 57 m Neuland in der Pink Paradiso Höhle und eine weitere Schachtniete dazu.

Bericht Andreas Schuller:

Georg hatte mir erzählt, dass die Engstelle in der Riesenrutsche erfolgreich erweitert werden konnte. Probleme bereiten allerdings eine große instabile Platte und ein weiterer Stein, der die Fortsetzung versperrt. Um diesen aus der Ferne anzubohren, hatte er sich bereits eine Stangenkonstruktion ausgedacht. Ich wollte mir die Situation mal näher ansehen. Den sperrenden Stein konnte ich relativ einfach herausziehen, die große Platte erwies sich als stabil. Drei Meter tiefer im Spalt zwischen Wand und Verbruch erreichte ich erneut eine Engstelle, nochmal drei Meter tiefer einen Raum mit Versturzblöcken. Nach kurzer Sucherei fand ich zwischen zwei größeren Blöcken einen Durchschlupf, dahinter ging es über Schutt schräg abwärts. Ich erreichte schließlich einen größeren Raum, dessen Fortsetzung sich bereits als horizontaler Gang andeutete. Gestern noch dachte ich, es wäre unmöglich, diesen gewaltigen Verbruch zu überwinden und jetzt war es schon so weit. Ich folgte dem immer größer werdenden Gang, bis ich einen riesigen Block, der den Gang teilt, erreichte. Dahinter tat sich eine große Halle auf: 10 m lang, 3 m breit und 5 m hoch. Zu meiner linken erblickte ich schöne Tropfsteine. Am Ende der Halle machte ich an einem Schlot kehrt, um mir noch die Tiefenfortsetzung anzusehen. In diesem Mäander mit geringer Schüttung überwand ich zwei Engstellen und erreichte einen Punkt, an dem zwei große Steine den Gang gänzlich versperren. Mir gelang es, den unteren Stein weiter ins Unbekannte zu schieben und dadurch einen kleinen Durchschlupf freizumachen. Doch bereits kurz dahinter erreichte ich die nächste Engstelle und beschloss, umzukehren. Schließlich warteten Georg und Verena am Eingang auf mich. Die beiden hatten sich auch schon Sorgen gemacht, als wir uns erst nach einer Dreiviertelstunde wieder an der Oberfläche trafen. Ich hatte gerade bestimmt über 100m Neuland gemacht und kein Ende finden können. Es war einfach großartig.

14.10.2017

Am Samstag kamen schließlich Regina, Stefan, Berti, Andreas Walch, Sandra, Michael und Benedikt dazu. Wir teilten uns wieder auf. Berti, Stefan, Johanna, Regina, Tomas und Ich stiegen zum Karrenfeld an der Seekarlspitze auf. Regina, Johanna und Thomas blieben am Deep Purple Schacht, um die mögliche Fortsetzung zu untersuchen. Sie mussten allerdings feststellen, dass diese nach einer weiteren 7 m Schachtstufe endet. Somit stiegen sie wieder auf und begaben sich zu einem weiteren Schachteingang. Diesen hatte ich bei einer Oberflächentour im letzten Herbst entdeckt. Dort fanden sie am Grund des Eingangsschachtes einen Schluf. Dieser bricht in einen weiteren tiefen Schacht ab. Da ihr Seil für eine Befahrung nicht ausreichend war, warteten sie auf uns drei. Zur selben Zeit begannen Berti, Stefan und Ich mit der Bearbeitung weiterer Schächte im obersten Bereich des Karrenfeldes. Nach einigen kleinen Nieten entdeckten wir ein größeres Objekt. Bei der Befahrung mussten wir allerdings feststellen, dass wir uns im Quadro Gelatti befanden. Somit zeigte sich wieder einmal, dass eine Markierung der Eingänge wichtig ist. Nach diesem Ärgernis begaben wir uns zu den anderen. Thomas, Johanna und Stefan machten sich auf den Weg zur Seilbahn und wir machten uns auf in den Schacht. Nachdem ich einige größere Steine im Schluf entfernte, wurde dieser auch angenehm zu befahren. Anschließend machte sich Berti an den Einbau. Zuerst mussten Unmengen an Geröll entfernt werden, bevor eine sichere Befahrung möglich war. Der Schacht führt 35 m in die Tiefe und endet leider am Schachtgrund. So stiegen wir wieder auf und machten uns auf den Rückweg zur Hütte. Dort warteten wir gespannt auf die Gruppe um Andreas Schuller. Georg und Verena wollten ursprünglich in der Riesenrutsche den Zugang zum Neuland noch etwas erweitern. Sie entschlossen sich dann doch dagegen und machten stattdessen eine Tour in die Pink Paradiso Höhle. Die beiden wollten in den Marmorschacht, den sie bis dahin noch nicht befahren hatten. Anschließend begutachteten sie noch den kleinen, verhachelten Schacht. So konnten sie bestätigen, dass dieser in den Marmorschacht führt.

Bericht Andreas Schuller:

Wir teilten uns im Karrenfeld links der Langen Gasse nochmal auf: Michael, Benedikt und Sandra wollten schauen, ob der Schnee im Schneebrückenschacht geschmolzen ist und es dort eventuell noch weiter geht. Ich ging mit Andreas Walch in die Riesenrutsche, um im Neuland zu vermessen. Nachdem ich sehr enge Seitenteile im Verbruchbereich erkundet hatte, kam gerade mal 6 m unterhalb der bekannten Teile die erste Überraschung. Noch im Verbruch zweigt ein niedriger, leicht bewetterter Seitengang ab, den ich am Vortag nicht bemerkt hatte. Zuerst musste eine gangfüllende Steinplatte entfernt werden. Zwei Engstellen weiter wurde es deutlich größer, doch kurz danach war der Gang leider gänzlich verfüllt. Über einen Schlot kurz davor gelang es, dieses Hindernis zu überwinden und eine kleine Halle zu erreichen. Der weitere Gangverlauf zeigte sich wechselhaft: Erst ein hoher Spaltengang, dann Engstellen und schließlich ein Kriechgang mit angenehmem Lehmboden. Nun erreichten wir eine Abzweigung, wo wir uns entschlossen, zuerst eine Schachtserie abzuklettern. Nach einem schönen 6 m Schacht mussten wir an der verblockten Fortsetzung umkehren. Als nächstes ging es nach oben und nach einer Engstelle standen wir in einem hohen Spaltraum. Wir konnten keine Fortsetzung finden und wollten schon umkehren, als wir plötzlich Stimmen hörten. Die anderen hatten, nachdem sie im Schneebrückenschacht fertig waren, unmittelbar daneben eine Pause eingelegt und sich in der Sonne ausgeruht, als sie auf uns aufmerksam wurden. Was für eine einzigartige Überraschung! Etwas Vergleichbares hatte noch keiner von uns erlebt. Doch es wurde noch besser. Michael stieg in ein kleines Loch ab und wir konnten ihn akustisch orten. Er fing von oben an zu graben und Andreas Walch von unten. Bald konnte man ein Licht sehen, dann sich die Hand geben und irgendwann war der Durchgang endlich offen. Wir stiegen gut gelaunt zu den anderen an die Oberfläche, legten auch eine Pause ein und tauschten unsere Erfahrungen aus. Sie erzählten uns, dass sie trotz einigem Aufwand und obwohl der Schnee gänzlich geschmolzen war im Schneebrückenschacht nicht weiterkommen konnten. Sandra und Benedikt beschlossen, abzusteigen, während wir anderen wieder in die Riesenrutsche einstiegen, um den Hauptgang von gestern zu vermessen. Wir entschieden uns in der Tropfsteinhalle, im leicht erkletterbaren „Schlot“-Aufstieg weiter zu machen. Grund zur Freude waren richtig viele schöne Tropfsteine und der große weitere Gangverlauf. Während die anderen vermaßen, untersuchte ich zwei Schachtabstiege. Wir erreichten schließlich einen sehr hohen Spaltraum, dessen Fortsetzung ein 13 m hoher Schlot darstellt. Dieser muss beim nächsten Mal technisch erklettert werden. Wir machten uns auf den Rückweg und erreichten die Hütte erst bei Dunkelheit. Insgesamt hatten wir etwa 200m Neuland vermessen. Der Mäander und einige weitere bereits befahrene Teile blieben unvermessen, viele Fortsetzungen unbefahren. Der hohe Schlot in der Riesenrutsche ist noch 30 m vom Eingangsteil der Pink Paradiso Höhle entfernt. Der neue Seitengang liegt gerade mal 2 m neben dem „Rotaufgang“. Es gibt also noch richtig viel zu tun und Grund genug zur Hoffnung auf ein Großhöhlensystem mit weit über 800 Metern Länge.

15.10.2017

Am Sonntag mussten die Tiroler wieder abreisen. Nachdem sie ins Tal fuhren, machten sich Georg und Verena daran, in der Gschöllkopfkapelle den vorhandenen Datenstand zu kontrollieren und noch eine mögliche Fortsetzung zu überprüfen. Dazu nahmen sie zwei lange Holzbretter von der Hütte mit zum Eingang. Der Zustieg gestaltete sich doch schwieriger als gedacht. Es mussten eine sehr steile Wiese und ein paar Felsen überwunden werden. In der Höhle angekommen begannen die beiden mit der Neuvermessung. Anschließend versuchten sie, ein Wandfenster mit Hilfe der Bretter zu erreichen. Dies gelang allerdings nicht ganz und so muss ein weiterer Versuch unternommen werden. Regina, Andreas, Berti und Ich begaben uns ins Karrenfeld rechts der langen Gasse. Dort überprüften wir einige Koordinaten, die Andreas bei einer Wanderung erfasst hatte. Der erste Schacht, der „Paulanerschacht“ (21 m lang, 12 m tief), war schnell eingerichtet und Regina machte sich auf den Weg nach unten. Dort führt ein kleiner Schluf in eine Kammer, wo die Höhle an sehr engen Spalten endet. Es besteht eine Rufverbindung zum benachbarten „Sinterspalt“. Nach einigen sehr kleinen Schachtnieten beschlossen wir, das Karrenfeld für heute zu verlassen. Berti hatte beim Zustieg zwei interessante Horizontalhöhlen entdeckt. So machten wir uns auf den Weg durch steile Latschen und über eine Kletterstelle zum Eingang des ersten Objektes. Dies ist eine Spaltenhöhle, die durch Bergzerreißung endstanden ist. Dazu gehört noch ein Spalt, der ins Berginnere führt. Dieser endet jedoch unschliefbar eng. Das zweite Objekt hat denselben Charakter, ist jedoch etwas geräumiger. Das dritte Objekt ist eine 43 m lange Horizontalhöhle, die sich ebenfalls am Wandfuß befindet, jedoch von ihm weg in Richtung Tal führt. Beim zweiten Eingang befindet sich ein weiterer Spalt. Aus diesem entweicht ein stärkerer, eiskalter Luftzug. Der Spalt ist jedoch unschliefbar eng und erweitert sich, soweit einsehbar, nicht auf befahrbare Größe. Nach dieser Enttäuschung machten wir uns auf den Rückweg zur Erfurter Hütte, wo wir uns mit Georg und Verena trafen und noch etwas Zeit für ein Bier und was zum Essen hatten.

Somit ging eine sehr erfolgreiche Forschungstour im Rofan zu Ende. Wir erforschten und vermaßen 24 neue Höhlen. In der Pink Paradiso Höhle kamen weitere 66 m Neuland hinzu, die GGL beträgt nun 483 m, die Tiefe beträgt 70 m. Der größte Längenzuwachs von 196 m kam in der Riesenrutsche zu Stande. Diese ist nun 286 m lang und 34 m tief. Es blieben ebenfalls einige Fragezeichen übrig. Um dort intensiver weiter Forschen zu können, müssen allerdings drei Engstellen für uns normal beleibte Personen erweitert werden. Außerdem beträgt der Abstand zwischen Riesenrutsche und Pink Paradiso Höhle gerade einmal 2 m. Ein Zusammenschluss würde ein Großhöhlensystem im Rofan hervorbringen. Insgesamt wurden in diesen vier Tagen 647 m Ganglänge erforscht und vermessen.

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Last modified: 09 November 2018.

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