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1334 / 5 Die Große Eiskapelle

  • Veröffentlicht: Sonntag, 18. Oktober 2015 21:51
  • Geschrieben von Roland Konopac

Spalten im Altschneefeld

Sehr wenig Schnee heuer. Anbei ein Vergleich der Eingangssituation über die Jahre, jeweils mit einem Bild des Schneefeldes.

Die Eiskapelle in 2015:

Wieder einmal strahlender Sonnenschein und angenehme Temeraturen zur Vermessungstour und damit verknüpft die Frage, ob es die Eiskapelle noch gibt. 

Nach knapp 40 Minuten Fußmarsch die Sicherheit, dieses Jahr gab es erneut die Kleine Eiskapelle und auch die Große Eiskapelle gab es noch. Auffällig nur, schon aus der Ferne erkennbar waren die drei tiefen Spalten auf der Oberfläche des Schneefeldes. Diese gab es bislang in noch keinem Jahr.

In der Eishöhle waren die Seitengänge großvolumig, breit und flach.  Andreas Wolf begann die Vermessung am Messpunkt 11. Dieser Messpunkt findet sich als Anker an zwei auffälligen Felsblöcken südlich. Die Große Eiskappelle ist ungefähr so kurz wie schon 2011. Insgesamt scheint es auch wenig Eisvolumen zu geben.

Im beigefügten Bild kann heuer deutlich ein markanter Felsblock ausgemacht werden, der im Jahr 2013 eindeutig innerhalb der Eiskapelle liegt. In 2011 liegt der gleiche Block auf dem Eingangsbild etwas rechts und unterhalb der Bildmitte. Das Schneefeld der Eiskapelle wird von Lawinen gespeist und unterliegt erkennbar Schwankungen, abhängig von den Niederschlägen im Winter. 

Die Eiskapelle in 2013:

Ein Jahr mit einer etwas längeren Eiskapelle. Mit Blick nach draußen ist links der Mitte deutlich erkennbar der markante Felsblock. Dieser befindet sich noch innerhalb der Eiskapelle. Anders als 2011.

Das Schneefeld reicht jedoch nicht an die Jahre 2007 oder 2008 heran. Trotzdem schön!

Auch die Kleine Eiskapelle ist erneut da, nachdem sie 2011 nicht vorhanden war. Der Zu- und Abstieg erfolgte bei schönstem Ausflugswetter. 

Die Eiskapelle in 2011:

Es ist traurig!

Der heurige Besuch der Großen Eiskapelle könnte einer unserer letzten gewesen sein. Vermutlich ist es der Klimawandel, der dieses Jahr besonders erbarmungslos zuschlägt. Konkrete Ursache sind wohl der letzte Winter mit wenig Schneefall und der diesjährige zu warme Sommer. Es fehlt geschätzt eine halbe Million Kubikmeter Eis im Vergleich zum letzten Jahr. Die Welt erlebt eine Zeit dramatischer Veränderungen, eine dieser Veränderungen betrifft sehr anschaulich die Eiskapelle. In den letzten fünf Jahren konnte ich vom Eingang nie direkt das Ende der Großen Eiskapelle erkennen.

Licht benötigten Johanna und ich diesmal nicht. Durch die geringe Länge und die großen Portale gelangte ausreichend Helligkeit in die Große Eiskapelle. Eisbruch bedeckte an vielen Stellen den Boden. Durch den Eisverlust war der Tunnel besonders breit, vielleicht 30 Meter oder sogar mehr. Mir schien die Große Eiskapelle nur halb so lang wie letztes Jahr. Die Kleine Eiskapelle gab es heuer nicht.

Der Verein für Höhlenkunde in München erforscht und dokumentiert die Eiskapelle. Seit 1984 ist Andreas Wolf an dieser Arbeit beteiligt und in den letzten Jahren allein treibende Kraft. Der Schlaz 117, die Jahresschrift des VHM, enthält einen ausführlicher Bericht von ihm. Ein früher Bericht zur Eiskapelle findet sich schon im Schlaz 45 vom Februar 1985. Der damalige Artikel war für viele Anstoß, auch einmal in dieses erstklassige Höhlenobjekt zu gehen, das davor einfach ignoriert wurde, weil es nicht als "Höhle" galt. Reinhard Wagner war der erste, der sich besonders stark von der Begeisterung Franz Lindenmayrs hat anstecken lassen. Franz Lindenmayr hat mit ihm und zwei anderen Mitvermessern, den ersten Höhlenplan der Eiskapelle in der neueren Forschungsphase aufgenommen. Vielleicht lassen sich ja wieder viele neue Vereinsmitglieder für die Forschung an der Eiskapelle begeistern, viel Zeit bleibt wohl nicht.

Das Video endet mit Johannas Worten 'Es ist traurig.' 

Johanna und ich gingen nach wenigen Fotos zurück nach St. Bartholomä. Nächstes Jahr kommen wir wieder, um zu sehen wieviel von diesem wertvollen Geotop in Bayern noch übrig ist.

Für unseren Ausflug hatten wir bestes Wetter. Die Trauer um das geliebte Eis war bei steigenden warmen Tagestemperaturen schnell vergessen. Wir hielten es wie der Greenpeace Frosch und saßen gemütlich, bei bester Laune, im Biergarten von St. Bartholomä. Dabei sinnierten wir auch über den Frosch. Wir fanden dank Google und Internet heraus:"Bei Menschen mag das stimmen, aber der Tierfachmann weiß: 'Da ist die Menschheit wesentlich dusseliger als so ein Frosch; der weiß nämlich, was gut für ihn ist – und was nicht.' - Quelle: N-TV Wissen, Frage & Antwort, Nr.80, 04.08.2009, Fabian Maysenhölder" - Letzteres nun, ist wirklich traurig.

Die Eiskapelle in 2010:

Zuviel Fett ist ungesund. So oder ähnlich wurden wir großgezogen. Wie so oft verhält es sich mit der Wahrheit völig anders: Zucker ist für die Gesundheit gefährlich. Aber wer will das schon hören, lebt doch ein ganzer Industriezweig von dem Irrtum. Über den selbsternannten Homo Sapiens läßt sich noch viel mehr schreiben, so beispielweise auch über seinen Weitblick bei der Planung der eigenen Rentenvorsorge, letzteres zumindest in Deutschland. Allgemein bekannt gibt es Ackerbau seit weniger als 10.000 Jahren, eben seit die jährlichen Schwankungen des Klimas nurmehr gering sind. Mit dementsprechend großer Sorge und Eigenverantwortung übernimmt der Mensch die Bekämpfung der hausgemachten Erderwärmung, sofern diese nicht doch noch bequem wegdiskutiert wird. Keine Verfügbarkeit von Nahrung führt wohl früher oder später zum Hungertod.

Der Gletscher, die Große Eiskappelle, war dieses Jahr alles andere als fett! Der Gangquerschnitt war gewaltig und die Gesamtstrecke kurz.

Neu war, dass der linke Seitengang sich ebenfalls auf bequem begehbare Querschnitte erweitert hatte. An seinem Ende war die Randkluft erstmalig auf auf gut ein dutzend Meter geöffnet. Andreas Wolf vermisst die Eishöhle seit den 80ziger Jahren regelmäßig im Oktober. Heute half ich ihm. Wir waren nicht allein. An die 30 Bekannte, Verwandte und Bergwachtler aus Murnau, München und Freilassing sind mit uns unterwegs. Für die meisten war die Eiskapelle ein eindrucksvolles Erlebnis.
 

Die Eiskapelle speist sich aus gewaltigen Lawinen, welche die Watzmann Ostwand im Winter und Frühling herabdonnern. Dieser Winter war schneearm und der Sommer verregnet. Das erklärt den besonders erbärmlichen Gesamteindruck dieses Jahr. Der Trend indes ist eindeutig, der Gletscher schwindet.

 

Die Eiskapelle in 2008:

geschrieben von: Robert Heinig Montag, 20. Oktober 2008

Am Samstag, den 18. Oktober 2008 fand mal wieder die alljährliche Nachvermessung der Eiskapelle am Watzmann statt. Eine bunte Truppe aus Laien und Fachleuten, VHM'lern und Nichtmitgliedern fand sich bei bestem Wetter am Königssee ein.

Mein erster Eindruck aus der Ferne war "Mein Gott, ist das geschrumpft". Das täuscht ein wenig dadurch, daß letztes Jahr das Wetter weit spannender war und mit Sichtweiten im Freien von teils gerade mal 10 Metern die Gesamtgröße des Firnfeldes doch verschleierte. Sicher hat sich das Eis langfristig gesehen erschreckend zurückgezogen, aber von letztem Jahr auf heuer war dies nicht wirklich sichtbar der Fall. Im Tunnel selbst hatte ich durchaus den Eindruck, das Eis hat wieder zugenommen. Der Riesenschlot hat sich geschlossen, der Gang scheint durchaus ein wenig enger.

Dafür konnte man im Nordgang problemlos nicht nur wie letztes Jahr bis an den Fuß der Felswand, sondern sich rechts haltend längs der Randkluft über Geröll aufwärts bis auf die Oberfläche des Eises hochsteigen. Die Endhalle fand ich diesmal besonders ästhetisch, ohne genau sagen zu können warum. Was man allerdings auch an mehreren Stellen deutlich sehen konnte ist die Gefahr, die von stürzendem Eis und ausschmelzendem Gestein variabler Größe ausgeht. Im kleinen konnte ich eine Eisscheibe an der Decke bewundern, die Zungenartig nur ein einer Seite festhing und sich bereits nach unten bog. Ich bin kein Fachmann, weiß aber, daß Eis unter Druck schmilzt und dabei sogar abkühlt. Das erklärt leicht, wie sich so eine Eiszunge 'biegen' kann. Am Tunnelende, wo sich der Wasserfall so hübsch herunterschwingt, sind ähnlich hängende Eismassen in weit größerem Maßstab zu entdecken.

Dann sind wir mal gespannt, wie sich das Objekt bis nächtes Jahr entwickeln wird. Meine Fotos sind übrigens alle ohne Blitz mit einer alten Spielzeugkamera (dafür hat sie die Strecke Galerie Weité - Delta s'Amazonie in der Pourpevelle ungeschützt in der Schlazinnentasche überstanden) entstanden, also bitte keine Beschwerden über den fürchterbaren Weißabgleich oder die Unschärfe. Hier neben dem Artikel habe ich auch nur eines präsentiert, für den Rest möge das Vereinsmitglied bitte in der Galerie vorbeischauen.

Die Eiskapelle in 2007:

Die Befahrung fand bei Schneefall statt. Wie die Bilder zeigen hatte es etwa 30cm Neuschnee an diesem Tag.


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