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1337 / 212 Skifahrerloch - Neuland

  • Veröffentlicht: Sonntag, 02. Oktober 2011 00:00
  • Geschrieben von Berti M

Reiteralp - Neuland im Skifahrerloch

01.10.2011, Bericht von Berti M
Beteiligte: Bertie M, Peter H und Benedikt H

Bei der letzten Tour Anfang Juni war die Höhle so voll mit Schnee und Firn, daß viele Abzweigungen und Fortsetzungen völlig verschlossen und überhaupt nicht sichtbar waren. Die ideale Zeit für eine Befahrung scheint der September und Oktober zu sein, wenn das Eis und die Firnmassen ihren Tiefststand erreicht haben. Es gab nur zwei aufeinanderfolgende Tage in diesem Zeitraum, an dem Personen Zeit hatten, die für eine Befahrung bis ins Neuland dieser extrem unkomfortablen Höhle infrage kamen.

Auf unsere Anfrage beim Nationalpark Berchtesgaden bezüglich einer Forschungsgenehmigung mit Erlaubnis zum Biwakieren im Nationalpark hatten wir bedauerlicherweise noch keine Antwort erhalten. Eine Zusammenarbeit wäre aus unserer Sicht hier sehr wünschenswert. Da das Objekt sehr nahe an der Nationalparkgrenze liegt, biwakierten wir vorerst knapp außerhalb des Parks.

Schließlich waren wir zu dritt: Peter, Bene und ich. Wir stiegen mit insgesamt 74 kg Gepäck in unserer bisherigen Bestzeit von 3:45h bis zum Eingang auf. Wir hatten alle das gleiche Tempo und unterhielten uns dabei auch noch viel.

Am ersten Tag bauten wir die Seile bis zur Abzweigung zum Nadelöhrschacht ein und bohrten uns parallel zu diesem hinab, wo wir letztes Jahr umkehren mußten. Dabei erreichten wir erneut die Gletscherhalle, in die wir letztes Jahr über den Nadelöhrschacht gelangt waren. Dort standen wir auf einer festen Schnee- und Eisdecke, fanden keine weitere Fortsetzung, konnten aber durch senkrechte Tropfwasserröhren noch gut 10m weiter nach unten schauen, wo wir keinen festen Boden sahen.

Man muß an dieser Stelle dazusagen, daß in der vorliegende Hohlraumbeschreibung als raumbegrenzendes Element nicht nur Fels, sondern auch Eis definiert ist. Das ist in dieser Höhle nötig, weil durch die komplexe Unterteilung der Räume durch das Eis der Gesamtverlauf der Felswände oft nicht mehr nachvollziehbar ist. Nach dieser Definition hat die Höhle aktuell eine erkundete Gesamtlänge von 200 bis 300m (Korrektur 2015: Das können höchstens 150m gewesen sein). Das kann sich jedoch durch Eiswachstum und Schmelze im Lauf der Zeit ändern, ähnlich wie bei der Eiskapelle.

In einem Eck der Gletscherhalle fanden wir noch zwei kurze Schlufe durch Fels, den einen mußten wir vorher freiräumen, beide endeten aber leider nach wenigen Metern fest verstürzt.

Am Sonntag bauten wir zunächst noch zwei Umsteiger dazu, damit das Seil nicht mehr am Fels scheuern würde. Es braucht ziemlich viele Umsteiger bis nach unten, weil sich die Richtung der Eis-Fels-Röhren dauernd ändert. Vom zweituntersten Anker weg nahmen wir eine Abzweigung, die uns in eine schöne Eishalle führte, die letztes jahr verschlossen oder nicht vorhanden gewesen sein muß. Von dort fanden wir durch Randspalten zwischen Eis und Fels einen dritten Weg in die Gletscherhalle.

Nach einigem Herumlaufen dort unten sah ich ein Loch im Firnboden, das mit Eistrümmern, die wir zuvor abgebrochen hatten, verstopft war. Nach ein paar Minuten freiräumen rutschte Peter in ein enges Rohr durch mehr Firn als Fels hinab und ward bald nicht mehr gesehen. Er ließ sich Zeit, fotografierte und grub weiter, obwohl er dabei ziemlich naß wurde. Nach einigen Metern endet das Loch leider in zwei kleinen Kammern, eine mit Versturzcharakter, die andere mit Eisdecke und eisüberzogenem Kiesboden. Damit ist dieser mit mehr als -120m bislang tiefste Teil der Höhle unter Vorbehalt stärkerer Schmelzvorgänge abgeschlossen.

Ergänzung 2015: So weit hinunter reicht aktuell die Vermessung leider nicht annähernd. Eisrutschen, Gletscherhalle, Eisschwerthalle, Schlüfe und Nadelöhrschacht waren leider im Oktober 2015 unerreichbar wegen Verstopfung durch von oben nachgestürzten Eises.

Mit leichter Enttäuschung stieg ich wieder auf. Wir haben zwar immer noch etliche Abzweigungen und v.a. die anderen Seiten des Hauptkegels nicht angeschaut, doch fand ich es schon schade, daß wir trotz der Tiefe keine größere Fortsetzung gefunden hatten. Besonders im Wunsch nach einem beschaulichen, gemütlicheren, trockeneren Horizontalteil waren wir uns alle einig.

Um die Warterei am Fuß des Eingangsschachtteils sinnvoll zu nutzen, bohrte ich schonmal einen Anker, um in den Nebenschacht unter der Biwakkammer abzuseilen. Dieser Teil war letztes Jahr für eine Befahrung zu stark zugeeist. Das hatte sich drastisch geändert. Nun klafften dort große runde Löcher und Randspalten. Ein bischen hinabschauen wollte ich auch noch, während der erste schonmal aufstieg. Es ging gleich mal 30m runter, ohne daß ein weiterer Anker nötig wurde. Das Seil rieb „nur“ auf Eis, was wir als unvermeidliches Übel geringerer Art hinzunehmen gelernt hatten. Dann kamen zwei 90°-Richtungsänderungen und danach eine riesengroße spiegelglatte senkrechte Eisfläche gegenüber der Felswand, in scheinbar bodenlose Schwärze verschwindend Ergänzung 2015: Es konnte leider keinerlei Bodenlosigkeit mehr festgestellt werden…, die ein Tiefenpotential von mehr als 120 Metern erhoffen lässt. Vor allem aber ist dieser Teil nach oben abgeschlossen, d.h. es fällt dort kein Schnee hinein, was zumindest garantiert, daß man nicht wieder auf Firnboden landet und sich frägt, wohin man wohl kommt, wenn man zu graben anfängt. Einen Anker zur Vorbereitung des nächsten Vorstoßes setzte ich noch, dann trieb mich das schlechte Gewissen ob der womöglich doch wartenden Kameraden wieder nach oben. Ergänzung 2015: Dieser Anker wurde erreicht. Bald darunter war die Randkluft durch nachgestürztes Eis verstopft. Das fiel mir jedoch ziemlich schwer, war doch sofort klar, daß hier die Chance für womöglich mehr als die bisher erreichten Tiefenmeter vorhanden ist.

Da das Eis an der Biwakkammer stark weniger geworden war, wurde dort noch ein Ausbau der bisherigen Traverse und eine Erweiterung des Umsteigers an der dortigen Felsbrücke nötig, auf der man landet, wenn man vom Eingang herunterkommt. Nächstes Mal wird also voraussichtlich vieles etwas einfacher.

Wir waren an beiden Tagen etwa 5 Stunden in der Höhle. Diese Länge ist durch den Ein-, Aus- und Umbau der Seile, durch die vielen Umsteiger, aber auch die allgemein nicht so einfache Befahrung bedingt. Längere Befahrungen ließ leider die Zeit nicht zu. Ansonsten waren wir diesmal so gerüstet, daß nur zwischendurch Hände und Füße froren.

Ebenfalls großes Potential hat die Randkluft auf der anderen Seite des Hauptkegels, die seit letztem Jahr enorm gewachsen ist. Diese und weitere Beobachtungen massiver Veränderungen der eisfreien Querschnitte sprechen für Verlagerungen der Luftströme, die das Eis über das Jahr hinweg schmelzen lassen.

Der Umfang der nötigen Verbesserung in Logistik, Planung und Ausrüstung ist seit der letzten Befahrung stark gesunken, dennoch gibt es noch manches zu optimieren. Ergänzung 2015: Haha, was du nicht sagst…

Ich glaube, wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir glücklich oder traurig über die Tatsache sein sollen, auf welche Art die Höhle weiterhin noch etliche Fragezeichen bereithält. Den großen Durchbruch hatten wir nicht, aber von einem Abschluß der Erkundung sind wir ebenfalls weit entfernt. Ein seltsames Objekt...

Ergänzung 2015: Unfaßbar, wie viel Zeit wir für dieses eher mäßig interessante, weder lange noch tiefe Objekt gebraucht haben. Es waren 6 Touren, insgesamt 9 oder 10 Tage, die anfängliche Suchtour ohne Höhlenausrüstung eingeschlossen. Das Salzburger Motto „Keine Tour ohne Vermessung“ hätte die Effizienz von Anfang an um 500% gesteigert, und damit auch die Freude an der Forschung.

Bei der Tour testeten wir neugekaufte Ausrüstung von Landjoff, darunter einen abnehmbaren, leicht gepolsterten Hüftgurt für Schleifsäcke. Etwas Vergleichbares gibt es nach unserem Kenntnisstand bei keinem anderen Hersteller. Wir fanden den Hüftgurt einstimmig äußerst bequem und hilfreich beim Tragen des 20 kg schweren Schleifsacks, an dem er angebracht war. Die Befestigung am Schleifsack ist einerseits fest und scheint robust, andererseits in kürzester Zeit abnehmbar, sodaß der Hüftgurt vor der Höhle gelassen und so geschont werden kann.

Ergänzung 2015: Mittlerweile hat Landjoff das System noch deutlich verbessert, jetzt muß man für das Anbringen des Hüftgurts nicht mehr den ganzen Sack leerräumen. Außerdem gibt es jetzt größere Säcke, wo sich das noch mehr lohnt.


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