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1331 - Forschung Steinernes Meer 2015 (3)

  • Veröffentlicht: Mittwoch, 02. September 2015 20:15
  • Geschrieben von Martin M

Höhlenforschergruppe Echobiwak, 16. bis 18. August

Unsünniger Winkel – Hochegger

Sonntag, 16. August

An diesem sehr ergiebigen Tag fotografieren und filmen Georg, Hannes und Chris ausführlich in der Veteranenhöhle 1331/765, im Bereich des Kokon-Canyons die Gangformen und dortigen Lebewesen. Sie nehmen Sedimentproben und bauen das Seil am Überstieg aus. Das Ergebnis ist im diesjährigen Film eindrucksvoll zu sehen.

Zeitgleich sind Jens, Sebi, Jörg und ich auf der Oberfläche unterwegs und dokumentieren W20 bis W23. Die Felsampulle W23, ist ein knapp 3m langes, sehr enges Wandloch, wo Jörg sich unter maximalem Einsatz so weit wie möglich hineingeschoben hat. Die Buddelfuge W20, der Schottertunnel W21 und der Stiefelgourmet W22 werden von Sebi fertig vermessen.

Dann machen Jörg und ich bei einem 7-fach-Objekt weiter, wo er am Tag zuvor schon mal war. Der erste Eingang wird bald unschliefbar, ist aber vermessen und wurde gleich oberflächlich verbunden mit dem benachbarten zweiten von sieben Eingängen, dem Geisterwasserbau 1331/773. Dieser setzt sich horizontal großräumig mit gutem Luftzug fort.

Jörg und ich vermessen im Geisterwasserbau etwa 150m über mehrere Äste und vergessen die Welt draußen vollkommen. An vielen Stellen hört man Wasser in der Nähe oder etwas tiefer unten leise plätschern bis mittelkräftig rauschen, sieht es aber kaum. Draußen regnet es gleichmäßig weiter, doch wir bewegen uns nur im Staubtrockenen, sehr angenehm. Das Ende der Vermessung im Hauptgang ist ein fossiler (ehemaliger, trockener) Siphon, hinter dem es wieder großräumig weitergeht. Der Durchschlupf ist eine Düse, wo der Wind kräftig durchzieht. Während ich zeichne, erkundet Jörg den Gang dahinter etwas weiter. Dort ist bald wieder Seil nötig, aber nicht viel. Daneben bleiben noch etwa 5 weitere Fragezeichen, 3 davon relativ eng, für schlanke Forscher, im Plan kommentiert mit „Sebi!“. :-)

Bei der ersten Lasche braucht man eigentlich kein Seil, wenn überhaupt nur 5m, dann kommt eine ca. 6m tiefe Stufe mit Hasenohr, wo man ca. 10m Seil braucht. Unten steht man neben einem Schacht mit Schnee mit etwas Schnee, der wohl runter zum aktiven Canyon geht, der gerade sehr naß war. Etwas weiter kommt noch eine 3m-Abseilstelle mit Köpfl (nix eingebaut), wo 5m Seil genügen.

Außer der Hauptfortsetzung gibt es einen weiteren trockenen Gang, gleich nach dem 6m-Abseiler rechts und dann links, nach bzw. neben einer sehr nassen Stelle. Für alle anderen Fragezeichen empfiehlt sich ein trockener Forschungstag.

Die beiden beschriebenen, sowie zwei weitere der 7 Eingänge liegen recht nah beieinander, sind alle auf einem Video erfaßt, drei weitere liegen etwas abseits. Letztere enden nach wenigen Metern, eines davon war „Aufwand“, das Ende konnte also nicht von außen gesehen werden, man mußte also rein. Die verbleibenden zwei Eingänge müssen zur Klärung ebenfalls noch befahren werden.

Sebi und Jens haben derweil die Störung auf der Oberfläche Richtung Hochegger weiterverfolgt, wo sich bis auf 1-2 tiefere Schächte mit Schnee eher weniger ergibt, die Störung ist ziemlich geschlossen. Weiter bis zur Hocheggerwand kommen viele beeindruckende Störungen, wo überall viel Seil benötigt wird, alles sehr tief. Vor dem Rückweg waren sie noch am Deckelschacht bei den Monsterblöcken vor der oberen Hocheggerwand. Dieser wurde möglicherweise von einer polnischen Forschergruppe in den 80er-Jahren erforscht, konnte jedoch bisher keinem im Kataster beschriebenen Objekt eindeutig zugeordnet werden.

Montag, 17. August

Anhaltender Regen. Georg und Jens steigen früh ab. Chris, Hannes, Sebi, Jörg und ich verbleiben. Jörg, Chris, Sebi und ich gehen ins Burgschacht-Labyrinth 1331/780, wo noch Bohrmaschine und Material liegen und messen im trockenen Canyon nach der Bananenhalle weiter. Wenn man den Canyon orographisch rechts traversierend verläßt, kommt man in ein undurchschaubares, engräumiges 3D-Labyrinth, welches sich nirgends wirklich horizontal fortsetzt, nach unten stets nur immer wieder zurück in die Halle führt, aus der man kommt, und nach oben scheinbar in bekannte Gefilde, was aber nicht vollständig geklärt werden konnte. Lustige Decken- und Wandlöcher sind alle miteinander verbunden. Sebi probiert alles aus, vermessen wird nicht alles, weil es extrem wenige Meter sind und man schon sieht, daß es wieder zusammenführt. Insgesamt werden vergleichsweise wenige Meter Neuland mit sehr viel Zeit erkauft, wobei die Kletterei und die Vernetzung schon ziemlich interessant waren.

Anschließend baut Sebi nach unten weiter ein, ich folge vermessend und zeichnend, Chris unterstützt dazwischen wechselweise. Jörg steigt irgendwann auf, weil er im Hauptschacht und danach sehr naß geworden ist und daher bewegungsarme Tätigkeiten mit starkem Frieren verbunden sind. Nach einer größeren Canyonstufe mit mehreren freieren Umsteigern baue ich oben das 100m-Seil aus, ersetze es durch das letzte Seil, 50m, damit das 100er unten weiter reicht. Irgendwann gehen die Schraubglieder aus, die Laschen auch fast, Seil ist ebenfalls nicht mehr viel übrig. Die Fortsetzung wird immer größer, das Wasser langsam etwas mehr, Sebi spricht von Ähnlichkeit mit dem Riesending…

Die Alarmzeit war auf 24 Uhr gesetzt, um 23:05 waren wir wieder am Biwak, eher etwas knapp, gemessen an der Größe, die das Objekt mittlerweile hat. Aber wir waren halt im Neulandrausch, Sebi quasi unaufhaltsam weiterbohrend und –seilend, ich fasziniert vertieft ins Zeichnen, was mich ziemlich gefordert hat wegen der räumlichen Vernetzung und den vielen Überlagerungen, besonders in dem ersten, labyrinthischen Teil an diesem Tag.

Nächstes Jahr brauchen wir vor allem unendlich viel Seil, Anker, Laschen und Schraubglieder. Dann hält uns hoffentlich nichts mehr auf! :-)

Dienstag, 18. August

Hannes weckt mich früh mit den Worten „Die Sonne scheint!“ – eine Erleichterung. Wir beschließen, den Moment zum Trocknen der Ausrüstung zu nutzen, zusammenzupacken und abzusteigen. Denn Chris hatte per Handyinternet (ja!!) nochmal den Wetterbericht nachgeschaut, und der war eher nicht so toll.

Trotz des vorzeitigen Abbruchs kehren wir mit vielen guten Ergebnissen zurück, noch mehr Fragezeichen in den Plänen als letztes Jahr und verbesserter Sicherheit (Notfallpläne im Biwak, Kommunikation jetzt auch per Funk vom Biwak zu den Eingängen, besserer Schachteinbau, mehr warme Kleidung, mehr wasserdichte Behältnisse).

Es gibt einen Haufen neuer Objekte, in denen sich zahllose, vielversprechende Fortsetzungen finden, viel mehr, als wir zeitgleich bearbeiten können. Das Burgschacht-Labyrinth und Elronds Bong entwickeln sich voraussichtlich zu tieferen Schachthöhlen. Nach Abschluß der Forschungen in der Veteranenhöhle ist der Geisterwasserbau momentan die einzige Höhle mit ausgeprägtem Horizontalcharakter und erstmals auch größeren fossilen Teilen.

Auch sind wir personell super ergänzt worden mit Jörg, Sebi und Jens, besonders zumal dieses Jahr bei uns leider ein paar Leute absagen mußten. Die Stimmung war – auch dank des meist guten Wetters – wieder hervorragend. Hannes hat dankenswerterweise wieder viel Zeit und Aufwand (großes Stativ, neue Drohne) in die filmische Dokumentation gesteckt, dieses Jahr auch mehr in Höhlen. Das Ergebnis hat mich sehr beeindruckt.

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Last modified: 07 November 2019.

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