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1331 - Forschung Steinernes Meer 2015 (2)

  • Veröffentlicht: Mittwoch, 02. September 2015 20:15
  • Geschrieben von Martin M

Höhlenforschergruppe Echobiwak, 12. bis 15. August

Unsünniger Winkel – Hochegger

Mittwoch, 12. August

Wir stehen früh auf, weil mit Georg und Chris ein Treffen um 13 Uhr in Salet ausgemacht ist. Kathrin, Hannes, Moosi und ich steigen zur Wasseralm ab, Moosi und ich weiter bis Salet. Um 12:15 gehen wir im Obersee Schwimmen, was ziemlich gut tut, wenn man sich ein paar Tage nicht gewaschen hat… Auf der Saletalm essen wir Schnitzel mit Pommes gegessen und trinken Spezi, während wir auf Georg und Chris warten. Die beiden haben endlos viel Gepäck dabei, weswegen sich das Packen etwas hinzieht und nehmen schließlich doch erst ein späteres Schiff. Ich nehme die Kraxe mit den PV-Panelen und dem Speicherakku an der Saletalm auf, und wir gehen zur Fischunkelalm. Dort nehmen wir weiteres Material auf. Ein 100m- und ein 80m-Seil, sowie ein Schleifsack müssen leider unten bleiben.

Der Aufstieg war elendiglich anstrengend wegen der wahnsinnigen Hitze. Ohne das Schnitzel wäre das so nicht gegangen. Die Kathrin ist uns irgendwann im oberen Teil der Röthwand entgegengekommen. Wir haben ein bisserl gewartet, aber Georg und Chris waren zu dieser Zeit noch weit unten. Hannes hatte davor schon eine in der Röthwand deponierte 30l-Tonne mitsamt Essen geholt und war wieder auf dem Weg zum Biwak. Kathrin hat dann Moosi etwas Gewicht abgenommen und mich bei Laune gehalten, weil mich der Aufstieg recht geschlaucht hat.

Am Biwak nehmen wir die Photovoltaik-Inselanlage in Betrieb. Der Laderegler bereitet uns anfänglich etwas Kopfzerbrechen. Das Multimeter gibt Aufschluß, und es klappt schließlich. Immerhin wurde auch alles daheim mehrfach getestet und optimiert. Die Leistung übertraf alle Erwartungen. Ein leerer 18V-2Ah-Akku für die Uneo Maxx war nach einer guten halben Stunde voll. „Strom aus dem Nichts“ und „Steckdosen am Ende der Welt“ erzeugten große Freude. Endlich können wir Handys, Meßgeräte, PDAs, Lampenakkus, GPS-Akkus, Bohrmaschinen, Drohnen, Foto- und Videokameras etc. aufladen und müssen somit auch weniger Akkus raufschleppen.

Donnerstag, 13. August

Vormittags vermessen Moosi und ich eine 5-fach-Höhlenruine. Zwei Objekte davon sind katasterwürdig, der Sattelkeller 1331/775 und der Asymptotenspalt 1331/776. Sie sind etwa 22 und 23m lang, besonders der Sattelkeller hat schönen Höhlencharakter mit 2 Ästen, auch aktiv. Der Asymptotenspalt hat eher Korrosionshistorie. Der Rest wird als Nieten dokumentiert, 11 und 7m oder so, allerdings ebenfalls vermessen. Ein sechstes Loch (ganz oben) geht in den 23m-Spalt, ist unschliefbar, aber auch mit vermessen. Über eine Oberflächenvermessung hängen wir alle 6 Objekte zusammen.

Nachmittags kommen Georg und Chris. Chris und ich bauen in Elronds Bong 1331/778 den großen Schacht, ca. 60m frei hängend, ein. Chris wartet mit Engelsgeduld, während ich darunter eine Stufe nach der anderen einbaue, bis das Seil ausgeht. Es ist alles sehr großräumig und setzt sich in nur eine Richtung fort. Überall, wo sich der Querschnitt etwas verkleinert, spürt man deutlichen Luftzug, der ein Verweilen bei einer Temperatur von ca. 2°C sehr unangenehm macht.

Abends gehen Hannes, Kathrin, Moosi und ich vom Biwak direkt rauf, nach Südwesten. Moosi und ich dokumentieren den 4m-Spalt W15 Stehgrab mit Fußraum, und danach einen größeren Spalt neben dem Katzenschlund, W16 Knorriges Verlies, ca. 11m, im Tal östlich Gamsscheibe. Gleich daneben findet Hannes den Katzenschlund 1331/774. Wir vermessen 35m, bis Seilbedarf kommt und beschließen, daß wir aufgrund unseres sehr begrenzten Seil-Vorrats nicht noch mehr Objekte gleichzeitig einbauen können. Im Eingang finden wir einen Luftballon samt Grußkarte von einer Hochzeit aus Memmingen. Hannes schickt die Karte später an die Absender, sie freuen sich und schicken ihm zum Dank ein Familienfoto von sich zurück.

Im Biwak lassen wir den ergebnisreichen Tag bei kohlenhydratreicher Nahrungsaufnahme ausklingen.

Freitag, 14. August

Zu siebt (Hannes, Kathrin, Georg, Chris, Moosi, Jens und ich) gehen wir früh um 9 zum Leiterkopf los. Wir nehmen den Nicht-Weg entlang der Leiterkopf-Nordwände und durch die dortigen Schuttreißen, was nicht so bequem ist, und kommen gegen 11 an. Drei Stunden verbringen wir bei unseren östlichen Nachbarn in herzlichster Atmosphäre, tauschen uns intensiv über alle Themen der alpinen Höhlenforschung und des Biwakwesens aus, bekommen eine Führung, trinken Tee, essen Kekse und bestaunen viele Dinge, wie den neuen Solarkoffer im Pelicase von Rainer, der alles wetterfest enthält: Speicherakkus, Laderegler, Spannungswandler, Verkabelung, zahlreiche ergonomische und robuste Schalter, sowie diverse Ansteckmöglichkeiten in 12 und 230V.

Leider ist das Leiterkopfteam (Rainer, Dirk, Noreen, Sebi und Richy) gerade am zusammenpacken, weil Wetterverschlechterung angesagt ist, daher klappt es nicht mehr mit einer gemeinsamen Tour in den Schneebläser.

Auf dem Rückweg nehmen wir den günstigsten Weg durch den tiefsten Einschnitt (diesen einfachen, sofort sichtbaren dummen Graben mittendrin!) im Land der Klüfte zwischen Leiterkopf und Hochegger, dort, wo man hauptsächlich auf Schutt geht, was mindestens eine halbe Stunde Zeit spart.

Moosi schaut in das Objekt mit der roten Plakette („4“) rein. Die Art der Plakette kannte Sebi vom Leiterkopf. Es handelt sich anscheinend um Plaketten aus der Zeit der ersten Forschergeneration, die hauptsächlich im Gebiet nahe der Blauen Lacke aktiv waren. Dort gibt es wohl um die 40 Objekte, von denen Pläne vorhanden sind. Die Standorte der Objekte sind jedoch unbekannt. Moosi meinte jedoch, die letzte menschliche Aktivität in dem Objekt könne nicht so lange her sein, weil ein Packerl Zuckerwürfel aus Tittmoning drin lag, das nicht besonders alt aussah.

Kathi, Chris, Jens und ich gehen in Elronds Bong 1331/778. Chris und Kathi steigen nach dem 60er-Schacht bald wieder hinauf. Jens und ich verbauen noch weitere 100m Seil, bis das Material ausgeht. Wir finden keine Abzweigungen, abgesehen von verschiedenen Stockwerken im Canyon. Dieser zieht stetig weiter nach unten, großräumig bis auf 2 einfache vertikale Engstellen jeweils am Einstieg einer Canyonstufe.

Eine davon wird freigeräumt, um zu vermeiden, durch den wunderschönen schneeweißen Firstgang-Schluf darüber gehen zu müssen, der voller Knöpfchen-, Fahnensinter und Bergmilch ist und womöglich dabei verdreckt worden wäre. Zwischen den beiden Engstellen befindet sich eine interessante Kammer mit uralten Sinterfragmenten und etwas Eis an einer Stelle, wo ganz sicher kein Schnee oder Eis von draußen hereinrutschen kann, sowie sehr schöne Wände mit skurrilen Sinterformen.

Nachts um 01:15 Uhr waren wir zurück am Biwak.

Derweil skizziert Georg die Objekte W17, W18 und W19. Wir hatten die drei Eingänge auf dem Rückweg vom Leiterkopf gefunden. In zweien war ich gleich drin, allerdings setzt sich nur das Dritte fort. Alle 3 Eingänge werden wie immer fotografiert und es werden Koordinaten von ihnen aufgenommen.

Samstag, 15. August

Georg und Chris steigen ab, um Zeug zu holen, das sie etwa 500hm oberhalb der Fischunkelalm deponiert hatten.

Hannes geht auch ein Stück runter und nimmt Jürgen, der zeitgleich von der Wasseralm aufsteigt, etwas Gepäck ab. Beim Aufstieg treffen Georg und Chris nochmal die Leiterkopfgruppe, kehren kurz in der Wasseralm ein und erreichen gegen 19 Uhr das Biwak.

Sebi, Jens und Jörg finden vormittags die Buddelfuge W20, den Schottertunnel W21 und den Stiefelgourmet W22, gehen rein und vermessen einen Teil davon.

Jürgen, Jens und ich brechen um 15 Uhr ins Burgschacht-Labyrinth 1331/780, auf. Wir vermessen die beiden Fortsetzungen der Dino-Halle, die sich zwischen den Eingangsschächten und dem Hauptschacht befindet.

Letztes Jahr hatte Jürgen schon ein Seil in die untere Fortsetzung eingebaut. Entgegen dem, was ich vom letzten Jahr noch zu wissen glaubte, hat diese doch eine Fortsetzung: Etwas spaltig und nicht sehr einladend, weitet sie sich jedoch hinter einer engeren Stelle wieder ordentlich, mit einem Schacht darunter.

Die obere Fortsetzung, die bei Regen von einem ausgedehnten Rinnsal intensiv benetzt wird, endet absolut unschliefbar in beiden Richtungen einer Spaltfuge, auf die sie nach einigen Metern trifft.

Danach bauen wir das Seil aus, weil niemand motiviert ist, unten weiterzumachen, und begeben uns zur Bananenhalle hinunter. Leider dauert das Abseilen aus unerfindlichen Gründen unglaublich lange, sodaß unten kaum mehr Zeit zum Forschen bleibt. Ich zeichne noch einiges vom letzten Mal fertig, weiter vermessen wird nicht.

Während der Erste wieder aufsteigt, baue ich im fossilen Canyon hinter der Bananenhalle noch die ersten 3 Stufen mit dem 100m-Seil vom letzten Jahr ein, sehe viele Abzweigungen (entgegen Canyonrichtung und hinter einer Traverse seitlich), hänge das Restseil steinschlagsicher auf und steige wieder auf.

Auf dem Rückweg gelange ich zu etwas mehr Erkenntnis über Höhlenstruktur: Das eng vernetzte labyrinthische Schacht- und Canyon-Chaos, entstand vermutlich durch viele ehemalige Stauzonen, erosive Boden- und Wanddurchbrüche und mehrmals zwischenzeitig wieder dominant einsetzende Korrosion. Durchbrüche in Canyonböden in darunterliegende Schächte, z.B. dort, wo das Wasser aktuell aus der Bananenhalle verschwindet, führten in mehreren Entstehungsphasen der Höhle zu neuen Abflußwegen. Phreatische und vadose Entstehungsperioden müssen sich demnach mehrmals nacheinander abgewechselt haben. Alle Fortsetzungen ziehen stets in die Tiefe, was zu großem Materialverbrauch führte und weiter führen wird, gemessen an den vermessenen Metern Neuland.

Abends wird ausgiebig gekocht, das beste Essen der Woche tischen Georg, Jörg und Chris auf, mit Nudeln, Zwiebeln, verschiedenen Käsesorten, Sahne, etc.

Dichter, feuchter Nebel hüllt das nächtliche Biwak ein und kriecht nach und nach in jeden Winkel.

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Last modified: 20 April 2018.

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