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1291 / K1 Stollen Eisendorf

Anfrage der SZ Ebersberg zum Eisendorfer Entwässerungsstollen

Landkreis Ebersberg

Winfried Raab hatte von Roland Konopac eine Anfrage eines Reporters der Süddeutschen Zeitung in Ebersberg zum Eisendorfer Entwässerungsstollen weitergeleitet bekommen. Er hat die Vereinsmitglieder zwecks Beteiligung befragt; Thomas Zrenner und ich hatten Zeit. Mit dem noch sehr jungen Reporter, Johannes Hirschlach, war anfangs noch ein Fotograf dabei, der uns aus Zeitgründen nur bis zum Stolleneingang begleitete.

Um zum Stollenmundloch zu gelangen, folgten wir dem Bachlauf in einem neueren, aufrecht befahrbaren Wasserstollen durch den knapp 20 Meter hohen Bahndamm. Dahinter ging es ein paar Minuten hangaufwärts zum eigentlichen Ziel.

Hier strömt der solide Bach aus dem, in Naturstein gefassten, rechteckigen Eingang. Oberhalb des Eingangs gibt es noch eine kleine Höhle, die aber nach wenigen Metern unschliefbar wird. Sie birgt einen Geocache, der von uns jedoch unberührt blieb.

Außen und innen fotografierten wir ausführlich. Nach einigen, vollständig ummauerten Metern in gebückter Haltung die Deckenhöhe beträgt etwa 1 Meter setzt sich der Stollen naturbelassen fort. Es gibt mehrere natürliche Querspalten. Teils sorgen Seitenwände dafür, dass die in den Spalten gelockerten Gesteine nicht in den Bachverlauf abrutschen. Der aufrechte Gang wird erneut durch einen Abschnitt mit Ummauerung unterbrochen. Entsprechend zügig wird auch dieser Bereich durchfahren.

In der Mitte gibt es einen kurzen ansteigenden Seitengang mit einer kleinen Kammer am Ende. Dass es sich hier um einen Fluchtpunkt vor dem einbrechenden Wasser während der Vortriebsarbeiten oder zur Eröffnungsfeier handelt, ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr könnte die mittige Lage und die leichte Biegung im Bachverlauf auf einen Durchschlagspunkt im Falle eines Gegenortvortriebs hindeuten (Hinweis von Andreas Wolf). Zwei Sitzmatten und ein paar Teelichter liegen dort.

Am oberen Ende ist der knapp 290 Meter lange Stollen wiederum ummauert; diesmal auf einer längeren Strecke. Grund hierfür ist die geringere Geländeüberdeckung und Unterquerung der Staatsstraße St2089. Somit sind Ein- und Ausgang des Entwässerungsstollens in ihrer Dimesion gleichartig. Man kommt neben einer Weide unterhalb der besagten Straße, die früher am Seeufer entlang lief, wieder heraus. Laut amtlicher Karte gibt es bachaufwärts einen weiteren Durchfluss durch einen Möranenhügel. Ob dort eine Befahrung möglich ist, wurde noch nicht erkundet.

Der Eisendorfer Stollen wurde 1829 von einem Steinhauer und seinem Gehilfen innerhalb von 4 Monaten durch das lockere, nicht vollständig verfestigte Konglomerat gegraben, um einen See von etwa 20-30 Hektar Größe abzulassen, umliegende Sümpfe trockenzulegen und so den Bereich landwirtschaftlich nutzen zu können. Es war angeblich der fischreichste See weit und breit. Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Andreas Wolf hat sich 2001 um die Vermessung gekümmert; die Planzeichnung steht noch aus. Die Katasternummer lautet 1291 / K1. Das Gebiet 1291 umfasst das Flachland südlich der Donau zwischen Isar, Inn und Alpenrand siehe Gebirgsgruppengliederung nach Hubert Trimmel.

Ein Dankeschön geht an Fritzi & Jörg Obendorf für die Leigabe von zwei Höhlenausrüstungen. Somit waren die beiden SZ-Reporter mit Helm und Lampe versorgt.

Zusatz von Winfried Raab am 03.11.2016

Mein Gespräch mit Andreas Wolf brachte eine mögliche Erkenntnis über Sinn und Zweck des kleinen Seitengangs etwa in der Stollenmitte. Vielleicht gab es hier das Zusammentreffen der gleichzeitig aus beiden Richtungen angeschlagenen Grubenbaue Ort und Gegenort. In diesem Falle könnte man die beiden, anfangs noch getrennten Strecken auch See- und Atteltal-Stollen bezeichnen. Womöglich ist der kleine Seitengang der etwas zu weit vorgetriebene Atteltalstollen, dessen Ende dann mangels Nutzung teils wieder verfüllt wurde. Für die Verfüllung spricht auch die vorgelagerte Seitenmauer, die zwischenzeitlich eingestürzt ist; die Mauersteine liegen teils im Bachbett. Seitenmauern gibt es andernorts nur vor den labileren Querspalten bzw. Kluftstörungen, die hier nicht ersichtlich sind.

Möglicherweise gab es also einen Durchschlag wenige Meter vor der Ortsbrust (Stollenende). Die leichten Krümmungen, zunächst leicht "nach links" und dann "nach rechts" in Richtung des Seestollens könnten ein Hinweis auf den, womöglich akustisch von der Gegenseite unterstützten Suchvorgang kurz vor dem Durchschlag sein. Somit wäre eine Abschätzung der damaligen Messgenauigkeit, konkret also +/- 3m (horizontal) +/- 0.5m (vertikal) möglich.

Die vorgenannten Vermutungen müssten freilich durch konkrete Vermessungsdaten und ggf. nochmalige Ortsbefahrung erhärtet oder entkräftet werden.

Geographische und geologische Gegebenheiten

Das Gelände um den Entwässerungsstollen befindet sich innerhalb eines ausgedehnten Bogens aus Moränenwällen. Sie sind das Werk des Inngletschers, der sich während der letzten Eiszeit, der sogenannten "Würmeiszeit" vor ca. 20.000 Jahren, weit ins Alpenvorland vorgeschoben hatte. Fächerförmig hatte er sich vom heutigen Rosenheim aus ausgebreitet und beim Abschmelzen die mitgeführten Geröllmassen als Aufschüttung zurückgelassen. Weithin sichtbar sind die Höhenzüge bei Kirchseeon (Spannleitenberg) und Ebersberg (Aussichtsturm). [Quelle: Museum der Stadt Grafing, http://www.museum-grafing.de/geschichte/gesch_geo.html]

Der Eisendorfer See

Anhand einer Passage aus dem 1776 geschaffenen "Goldenen Buch" der Hofmark Eisendorf sowie einem Protokoll, das vor nunmehr 187 Jahren bey Abzapfung vielmehr Vertilgung des Eisendorfer Sees zu Papier gebracht wurde, berichtet der Leiter des Stadtarchivs Grafing, Bernhard Schäfer, bei einem Archiv-Stammtisch im August 2009 Folgendes über den Eisendorfer See:

Dieses Gewässer, das im Jahre 1416 erstmals in der schriftlichen Überlieferung auftaucht, zählte einst zu den größten und fischreichsten Seen im Ebersberger Raum. Im Jahre 1507 verkaufte Herzog Albrecht IV. den See, der bis dahin zur herzoglichen Pflege Elkofen gehört hatte, an seinen Rentmeister Wolf Lenkhofer. Dieser wiederum veräußerte den See 1511 an Hans Seuer, den Inhaber des Adelssitzes Eisendorf. Von da ab blieb der See, der in der frühen Neuzeit immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen mit den Herren auf Elkofen, aber auch mit den angrenzenden Untertanen gab, bis zu seinem Ende fest mit der Geschichte der Eisendorfer Hofmark verbunden. 1829 schließlich ließ der Aufklärer Joseph Ritter von Hazzi, als Inhaber des Patrimonialgerichts El­kofen, in dem die Hofmarken Eisendorf und Elkofen zusammengefasst worden waren, den See wegen dessen negativer Auswirkungen auf die Umgebung über einen eigens geschaffenen unterirdischen Kanal ins Atteltal ableiten und somit trockenlegen. [Quelle: Meine Anzeigenzeitung, Archiv-Stammtisch in Grafing: Von wertvollen Rechten und einem verschwundenen See]

Der oben zitierte Adelssitz Eisendorf war einst eine viereckige Wasserburg siehe unten: Kartenausschnitt der Uraufnahme (1808-1864) mit See und Wasserburg Eisendorf. Von der inzwischen abgetragenen Burganlage gibt es noch mittelalterliche Kelleranlagen sowie Reste der Wall- und Grabenanlagen. Das Grundstück wurde vom Bauernanwesen "beim Fischer" überbaut. Zudem erinnert der heutige Straßenname Seeweg 13 an die einstige Ufernähe. [Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burgstall_Eisendorf]

Die Entwässerung als Strukturreform für die Agrarwirtschaft

Wie bereits erwähnt, war es Joseph Ritter von Hazzi (* 12.02.1768 in Abensberg; † 20.05.1845 auf Burg Elkofen), der den Anstoß zur Entwässerung des Eisendorfer Sees gab. Der Vater seiner zweiten Frau war der bayerische Landesappellationsgerichtspräsident Aloys Basselet von La Rosée, von dem er 1827 Schloss und Gut Elkofen bei Grafing kaufte, das er binnen weniger Jahre u.a. durch die Einführung der Fünf-Felder-Wirtschaft, Stallfütterung, zweckmäßige Düngungen und Gewinnung neuen fruchtbaren Bodens durch Rodungen und Trockenlegungen in einen mustergültigen Betrieb umwandelte. [Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_von_Hazzi]

Für seinen Ehrgeiz wurde Hazzi in vielfacher Weise geehrt. Eine dieser Ehrungen, die nicht nur ihm, sondern auch seinen Helfern zuteil wurde, ist in Form der gedruckten "Beilage zu[m Wochenblatt des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern] Nr. 8., Die Feier des Central=Landwirtschafts= oder Oktoberfestes im Jahre 1833." fixiert. Wörtlich heißt es ab Seite 19 zur Ehrung Hazzis:

Besondere Auszeichnung,
  Herr Staatsrath von Hazzi, der auf jeden Preis verzichtet hat, wird nach allen seinen rühmlichen Leistungen auf seinen Gütern im Landgerichte Ebersberg zur Empobringung der Landwirthschaft hiermit vorgetragen.
[...]
23) Nebenbey kam ein sehr großes Unternehmen zu Stand, nämlich die Austrocknung des Eisendorfer=Sees. Aus der beygefügten Urkunde ergiebt sich, daß dieser See in den ältesten und neuesten bayer'schen Landkarten vorkömmt, und den Herzogen von Bayern und zwar zuletzt Herzog Albert IV. gehörte, und früher der Flächenraum davon weit über hundert Tagwerke betrug. In dem alten Saalbuch der Hofmark Eisendorf heißt es darüber: "Es war schon öfter von einem Kanal zur Ablassung des Sees der bequemeren Fischerey wegen die Rede; die Unmöglichkeit davon fällt jedoch in die Augen, indem der Berg, der den See an der Ostseite einschließt, auf den obern Theil mit einer Kruste von harten Felsen und Nagelstein bedeckt ist, welchen durchzubrechen, eine Römerarbeit wäre, und zwanzigfach größere Unkosten verursachen würde, als was der See und das ganze Eisendorf werth wäre." Hr. Staatsrath v. Hazzi dachte jedoch auf alle möglichen Mittel, diesen See und zwar nicht für die Fischerey, sondern zur vollen Trockenlegung und Kultur abzulassen. Er stellte mehrere Versuche an, und der Zufall führte den rechten Mann, einen Steinhauer, Kretschmayr mit Namen, dazu. Dieser so geschickte als kühne Mann unternahm einen unterirdischen Kanal herzustellen, und schloß der Kosten wegen mit Hrn. v. Hazzi am 22ten März 1829 einen Contract ab. Am 16ten Julius 1829 geschah in Gegenwart der Gutsherrschaft, des königl. Landgerichts von Ebersberg, mehrerer Fremden und einer Menge Bewohner der Gegend und Bürger von Grafing mit Wegnahme der Vormauer die feyerliche Eröffnung des Kanals. Mit einem fürchterlichen Ungestüm strömte das Seewasser durch, und machte sich jenseits am Fuße des Berges mit schauerlicher Gewalt eine Bahn, um sich mit dem nahen Attelflusse in Verbindung zu bringen. In Zeit von 3 Tagen war der ganze See abgelaufen, und ist von diesem Zeitpunkte an als verschwunden zu betrachten. Es wurde nun sogleich die Ausgleichung mit den Anstossern, eigentlich den Usurpationen [widerrechtliche Inbesitznahmen] der Seeufer mittelst Streumähen bey trocknen Sommern etc. durch den Gerichtshalter [Joseph Anton Ritter von Kern] vorgekehrt, die um so leichter war, als sich der Eigenthümer und Grundherr zu jedem Opfer verstand, und diese Eroberungen den Grundholden gerne gönnte. Derselbe begnügte sich mit der Begränzung für sich zu 35 Tagw., und räumte alles anderen besagten Grundholden ein. Nun ließ er auf allen Seiten tiefe Abzugsgräben ziehen, und das ungleiche Seebett ebnen. Die aus den Gräben gewonnenen Torf= und Erdschollen wurden in Haufen gebracht, verbrannt, und die Asche weit umher ausgestreut: So bildete sich bald gutes Gras. Unterdessen zerriß eine große Ueberschwemmung auf mehreren Seiten das Innere des Kanals. Dieser mußte mit neuen Kosten solider gemacht, und förmlich ausgewölbt werden, welches im vorigen Jahre [1832] zu Stande kam. Der Erfolg war, daß man schon im vorigen Frühjahre mit trockenem Fuße die ganze Seefläche durchgehen und mähen konnte. Es wurden schon im vorigen Jahre 20 Fuder Heu [erster Grasschnitt] und 8 Fuder Grumet [zweiter und weiterer Grasschnitt] erzielt, und zwar von bester Qualität. Heuer [1833] giebt es beynahe das Doppelte, und wird bald eine noch größere Menge geben so daß dieser große Wiesengrund nunmehr als das Kleinod für die Oekonomie in Oehlkofen betrachtet werden kann. Der Kanal ist jetzt fest gebaut, und kann jedem Schicksale trotzen, so auch die Abzugsgräben. Zugleich ist die Vorsorge getroffen, daß man diesen ganzen Seegrund, nunmehr Wiese, nach Gefallen wieder wässern kann. Die benachbarten Grundholden gewannen ebenso bedeutend dabey, da sie ebenfalls in ihren Distrikten Abzugsgräben zogen, und sich so schöne Wiesen schufen, während sie sonst nur bey trocknen Jahren saures Heu oder eigentlich Strey mähen konnten.

Weiter unten im Text ab Seite 43 erfolgt dann die Ehrung des oben zitierten Steinhauers Johann Kretschmayr und seines Gehilfen Paul Hungerberger:

Besondere Anmerkung.
  Dem Johann Kretschmayr, Steinhauer von Grafing, Landg. Ebersberg im Isarkreise wurde vom General=Comité [des landw. Vereins] für sein wichtiges und kühnes Unternehmen zur Trockenlegung des Eisendorfer Sees zur Aufmunterung die kleine goldene Medaille zuerkannt.
  Johann Kretschmayr, ein Steinhauer, gebürtig von Veitwend, k. Landg. Dinkelsbühl im Rezatkreise [heute: Veitswend, Ortsteil v. Dinkelsbühl].
  Im Jahre 1829 arbeitete derselbe in der Gegend des adelichen Gutes Oehlkofen bei Grafing im Isarkr. Durch den Besitzer dieses Gutes, Herrn Staatsrath Joseph von Hazzi leuchtete zwey Jahre nach der Uebernahme desselben schon helleres Licht über die Gegend. Dieser berühmte Staatsmann, dessen Kultur=Eifer schon lange Zeit bekannt ist, fiel auf den Gedanken, den dortigen sogenannten Eisendorfer See entwässern und sonach trocken legen zu lassen.
  Diese Idee vernahm obiger Steinhauer Kretschmayr. Dieser thätige und vom Ehrgeize entflammte Mann bot alles auf zu versuchen, eine natürliche Abzugsquelle zu finden. Er minirte mehrere Gruben, ja bei 54 Schuh [ca. 15.8m] tiefe Brunnen; schon glaubte er dem Gelingen seines Zweckes nahe zu seyn, als das Wasser in etwas verschwand; aber auf einmal ward Stillstand. Jedoch, anstatt den Muth zu verlieren, ward Kretschmayer nur noch kühner. Er wollte wirklich ein Römerwerk auf seine Gefahr und selbst ohne Geld und Mittel unternehmen; nämlich mittels Durcharbeiten des großen vorliegenden Berges, sohin mittels Grabung eines unterirdischen Kanals in die sogenannte Waldung (Herrnleuthen [heute: Henneleiten]) das Seewasser gänzlich abzuzapfen.
  Er legte wirklich sogleich Hand an's Werk. Als er nun einige Klafter tief hineingrub, kam nach geschehener Besichtigung von der Gutsherrschaft mit demselben über das ganze Unternehmen der Bezahlung wegen am 22. März 1829 ein förmlicher Kontrakt zu Stand.
  So kühne als rastlos setzte nun dieser Kretschmayr mit einem einzigen Gehilfen, Namens Paul Hungerberger von Unteröhlkofen, welchen er allein für dieses wichtige Unternehmen als Arbeiter, eben so kühn als treu und ausdauernd gewinnen konnte, seine Arbeit fort, und war endlich so glücklich, im Jahre 1829 mit Durchgraben eines 3 Schuh [ca. 88cm] weiten, 6 Schuh [ca. 1.75m] hohen und 912 Sch. [ca. 266.3m] langen Stollens durch den 69 Fuß [ca. 20.1m] hohen Berg fertig zu werden, so daß an demselben Tage [16.07.1829] Nachmittags 4 Uhr in Gegenwart des Gutsherrn, der Gutsfrau, des k. Landg. Ebersberg, mehrerer Honorationen und mehrerer Bürger und Zuseher, welche alle den Kanal zuvor durchgiengen und besichtigten, das Wasser abzulassen und sohin dieser See zur gänzlichen Trockenlegung wie jetzt in dem vorigen und gegenwärtigen Jahre die reichen Heu= und Grummetärndten zur Genüge beweisen geeignet hergestellt wurde.

Das Unternehmen zur Trockenlegung des Sees findet noch in einer dritten Ehrung des Patrimonialrichters Joseph Anton Ritter von Kern ab Seite 61 Erwähnung:

Nach dieser Ansicht wurde zuerkannt die große goldene Vereinsmedaille
[...]
  Dem Herrn Ritter v. Kern, k. b. Rath und adelich v. Hazzi'schen Patrimonialrichter in Oelkofen, k. Landgerichts Ebersberg im Isarkreise.
  Als derselbe i. J. 1824 als Patrimonialrichter in Oehlkofen angestellt wurde, war in Oehlkofen, Eisendorf und Hirschbichl alles in einem verwilderten Zustande; [...] Erst im Jahre 1827, als der Herr Staatsrath v. Hazzi Gutsherr von Oelkofen wurde, gieng Heiterkeit und Leben über die verwilderten Fluren und Umgebungen auf; denn sein rastloses Bestreben und seine Kostenaufwände zum Frommen seiner Hintersassen, spornten bey dem Beamten Eifer und Thätigkeit an; die gutsherrlichen Winke und Aufträge wurden auf's beste verfolgt, und ihre reinen, wohlthätigen Absichten, obwohl nicht ohne vielen Verdruß etc. auf folgende Weise durchgeführt:
[...]
9. Die Entwässerung des oben erwähnten Eisendorfer=Sees war äußerst schwierig. Der Gutsherr ließ von dem thätigen Steinhauer Johann Kretschmair durch den Berg bis an die sogenannte Hennenleuthen [heute: Henneleiten] durchgraben, und so das Seewasser abzapfen. Die Gränzbestimmung, Ausgleichung und förmliche Trockenlegung dieses See's hatte hierauf der Beamte durch die vielfältigen Versuche, deutliche Darstellung und Augenschein glücklich zur Zufriedenheit aller Betheiligten hergestellt. Nach Verpflockung der Gränzen und Ziehung der Gränzgräben wurde ein Hauptkanal und über 15 Nebenkanäle zu 1320 Klafter [ca. 2310m], alle in Spitzwinkeln gezogen, was zur vollen Entwässerung sehr beytrug. Dadurch senkte sich der See, nun vielmehr Moor, über 4 Schuh [ca. 1.17m] , und die hierauf entstandenen, mehrere 1000 sogenannte Sachrannhügel [Moorhügel] ließ der Beamte durch eine besondere eiserne Maschine (eine umgekehrte, vielmehr liegende Säge ohne Zähne, mit 2 gerade stehenden Heften versehen) abschneiden, die Moorklotzen verbrennen, die Asche derselben ausstreuen, und die Flächen mit Grassamen besäen. Das Resultat ist jetzt schon sehr erfreulich, indem nun diese große, ebene und fruchtbare Wiese (dermalen Eisendorfer=Wiese genannt) gegenwärtig schon das herrliche Futter an sehr vielem und guten Heu und Grummet, gegen 20 bis 30 Fuder, abwirft.

Ergänzende Links

Epilog

Somit ist also ein Stück Bayerischer Geschichte belegt, das seinesgleichen sucht und womöglich auch findet.

  • Die unterirdische Ablassung eines Oberbayerischen Sees ist auch an folgenden Stellen belegbar:
    • In Bad Bayersoien ist vielen der Soier See bekannt. Dass es zu früherer Zeit einen zweiten, etwa gleich großen See oberhalb, gegenüber der heutigen Bundesstraße B23 gab, ist wohl weniger bekannt. Der obere See wurde zwischen 1803 und 1805 zur Gewinnung von Streuwiesen trockengelegt. An der Südwestseite des (unteren) Soier Sees endet neben dem Seerundweg der Verbindungsstollen auch Wassertunnel genannt, der beide Seen verband. Er führt zum etwa 70 Meter entfernten Lötschmüllerhof. Der Hof beherbergte einst die sogenannte Seeburg, ein 1691 errichtetes Erholungsheim für Mönche und Gäste des Klosters Ettal und ab 1709 eine Ritterakademie. Der Name Seeburg leitet sich aus dem Standort zwischen den beiden Seen ab. [Quellen: Lötschmüllerhof – Landwirtschaftliches, hängendes Museum / Die Seeburg 1691-1803Historische Tunnelführung in Bad Bayersoien]
    • Ein weiteres Kleinod befindet sich im heutigen Tirol (ehem. Bayern) nahe Kufstein am Thierberg. Hier mündet das sog. Gletscherloch in einen alten Entwässerungsstollen. [Quelle: http://www.zobodat.at/pdf/Hoehle_026_0021-0031.pdf, S.28]
    • Schließlich noch ein ungewolltes Kapitel: Zur Umfahrung der Stadt Garmisch-Partenkirchen begannen im Frühjahr 2011 die Bauarbeiten für den Erkundungsstollen des Kramertunnel. Später soll dieser Stollen für Rettungszwecke dienen. Im Juli 2011 erreichten die Bauarbeiten nach 700 Metern einen Lockergesteinsbereich, was die Einstellung des Nordvortriebs aus Sicherheitsgründen und wirtschaftlichen Erwägungen zur Folge hatte. [Quelle: http://www.wikiwand.com/de/Bundesstraße_23] Durch die Sprengungsarbeiten wurde der labile Untergrund des Schmölzersees in einer Art und Weise gelockert, dass die dauerhafte Verlandung droht. [Quelle: Der Schmölzersee, ein Symbol für Umweltschäden]
  • Etwa 5km südöstlich des Eisendorfer Entwässerungsstollens wurde im Frühjahr 2014 ein weiteres künstliches Objekt entdeckt. Es handelt sich um einen Erdstall in einem Acker nahe einer abgegangenen Hofstelle der Einöde Bichl, Gde. Aßling, Lkr. Ebersberg. [Quelle: Erdstall im Lkr. Ebersberg entdeckt]
 

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Last modified: 05 July 2017.

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